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Zwei weitere Gedenktafeln zur Erinnerung an Rintelner Universitätsprofessoren angebracht

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Heute wurden am Eckgebäude der Neuen Apotheke am Rintelner Marktplatz/Klosterstraße zwei emaillierte Gedenktafeln für Professoren der früheren Rintelner Universität montiert. Sie erinnern an die Medizin- und Physikprofessoren Just Heinrich Mangold (1656-1742) und Ludwig Philipp Schröter (1746-1800), die in diesem Haus lebten und auf dem Gebiet der Erforschung der Pocken tätig waren.

Die Bauhof-Mitarbeiter Frank Schomburg (auf der Leiter) und Daniel Laurich brachten die beiden Schilder über dem Eingang des Eckgebäudes an.

Zusammengetragen wurden die Informationen von der langjährigen ehrenamtlichen Mitarbeiterin des Rintelner Stadtarchivs, Helge Heinke-Nülle, und Eulenburg-Museumsleiter Dr. Stefan Meyer. Als Quellen dienten Literatur und Akten sowie Kataster des Altbestandes. So konnten in den letzten Jahren Wohnorte und Wohngebäude der meisten Professoren aus der Vergangenheit ermittelt werden. „Eine Puzzlearbeit“, so Dr. Meyer, „die in Ermangelung von Hausnummern den genauen Abgleich Dutzender Steuerlisten voraussetzte.“

Hauseigentümer Suat Demirel habe der Anbringung der Tafeln, deren Produktionskosten die Stadt Rinteln übernommen wurden, erfreulicherweise sofort und ohne Umschweife zugestimmt, ergänzte Dr. Meyer. Gedenktafeln zur Erinnerung an ehemalige Wohnorte Rintelner Professoren sind bereits an mehreren Orten in Rintelns Zentrum angebracht. Ungefähr 190 Professoren der Universität Rinteln (1621 – 1810) lebten einst in der Altstadt.

Museumsleiter Dr. Stefan Meyer (li.), Helge Heinke-Nülle (re.) und Hauseigentümer Suat Demirel (vorne).

Informationen zu den beiden Professoren

Just Heinrich Mangold (1656 – 1742)

In Allendorf an der Werra geboren, hatte Mangold in Erfurt Medizin studiert und erhielt 1697 in Rinteln den Lehrstuhl für Medizin und Physik.

Für die Universität ließ er eine antlia pneumatica horizontalis anschaffen, eine große Luftpumpe, mit der sich Über- und Unterdruckexperimente durchführen ließen. Taucherglocken, leergepumpte Magdeburger Halbkugeln, Versuche mit Schallübertragung im luftleeren Raum – all dies waren hochaktuelle und zu Spekulationen herausfordernde Phänomene. Auch seine Studenten, die er in seinen ersten Jahren an der Akademie in großer Zahl für die Physik begeistern konnte, unterstützten seine Forschungen. Mangold publizierte sie, auch in Ermangelung einer passenden Zeitschrift in Rinteln, in den in Erfurt erscheinenden „Remaquable Curiosa“. In dieser bis zu 1000 Leser erreichenden Zeitschrift erschienen 1717 auch seine Überlegungen zum – physikalisch unmöglichen – Perpetuum Mobile, einer durch sich selbst endlos antreibenden Apparatur.

Mangold scheint an diesem Apparat in seinem Haus gebaut zu haben, 1736 wird zumindest erwähnt, dass der Dachboden mit einer „großen Maschine“ ausgefüllt sei.

Was Mangold mit Ludwig Philipp Schröter, der ihm als Bewohner des Hauses und als Medizinprofessor nachfolgen sollte, gemeinsam war, war die Beschäftigung mit den Pocken, die die schwerste Infektionskrankheit des 18. Jahrhunderts waren und in zahlreichen Epidemien Hunderttausende das Leben kostete. Bei einer Sterblichkeit von rund 30% grassierte die Seuche besonders heftig unter jungen Menschen.

Zum Wesen und zu den Behandlungsmöglichkeiten dieser Krankheit veröffentlichte Mangold 1698 eine Disputation seines Studenten Jakob Wilhelm Faust.

Die letzten Lebensjahre Mangolds waren von einem Zerwürfnis mit seiner Ehefrau und großen finanziellen Schwierigkeiten überschattet, die den 75-jährigen 1731 sogar in Peine in Schuldhaft brachten. Das Haus am Markt verblieb dennoch in seinem Besitz. Hier starb er 1742 im hohen Alter von 86 Jahren.

Ludwig Philipp Schröter (1746 – 1800)

Ludwig Philipp Schröter, 1746 – 1800, wurde in Rinteln als Sohn des lutherischen Predigers an St. Nikolai geboren. Er studierte in Rinteln und Göttingen, praktizierte als Arzt in bassum und erhielt 1774 die 2. Medizinische Professur an der Academia Ernestina.

Schröter befasste sich früh mit der Pockenimpfung, so etwa 1773 mit seiner Schrift: „Kurzer Unterricht von der gegenwärtigen ungekünstelten Methode, die Blattern einzupfropfen“. Schröter war wissenschaftlicher Lehrer des bekannten späteren Bückeburger Hof- und Leibarzt Bernhard Christoph Faust, der bei ihm promovierte und später die allgemeine Pockenimpfung in Schaumburg-Lippe durchsetzte.

Als Landphysikus für die Grafschaft Schaumburg und als Brunnenarzt erst in Rodenberg, dann in Nenndorf, hatte Schröter wesentlich Anteil am Aufschwung des Bades Nenndorf, dessen Schwefelquellen er beschrieb und analysierte.

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