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Zwei Weserbergländer bei der Tour de France

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Zwei Weserbergländer bei der Tour de France – für unterschiedliche Teams, aber mit dem selben Ziel: Das Bild der medizinischen Profisportbetreuung nachhaltig verändern, in den Köpfen von uns allen.

Jung, ambitioniert, engagiert, geboren im Weserbergland, ehemals Medizinstudenten in Heidelberg und jetzt für ein Hamburger Klinikum bei der Tour de France 2019 – und das als Teamärzte zweier großer World Tour Teams, Teams der absoluten Spitzenklasse.
Der gebürtige Rintelner Jan-Niklas Droste, Teamarzt des deutschen Teams Bora-hansgrohe, und Dr. Christopher Edler, Teamarzt der südafrikanischen Mannschaft Dimension Data, haben so viele Gemeinsamkeiten in ihrer Vita, dass es schon fast erschreckend ist, und das, obwohl beide sich erst seit einem knappen halben Jahr kennen. Vielleicht ist es das Weserwasser in der Kindheit oder die Luft in Heidelberg, die es ausmacht, vielleicht aber auch nur purer Zufall, dass beide zusammengefunden haben und nun das Weserbergland beim härtesten und größten Radrennen der Welt vertreten.

Kurz nach ihrem Kennenlernen – Christopher hat vor einem halben Jahr in der gleichen Klinik unter demselben Chefarzt angefangen zu arbeiten wie Jan-Niklas – haben beide gemerkt, dass sie nicht nur Ihre Vergangenheit und der ähnliche Werdegang verbindet, sondern auch ihre Arbeit im Hier und Jetzt und eine sehr ähnliche Vision der modernen medizinischen Sportbetreuung der Zukunft.
Es war daher wohl eher Schicksal als Zufall, dass die beiden auf der selben Station in der selben Klinik gelandet sind und sich nun, wenn auch für unterschiedliche Teams, gegenseitig bei der Sportbetreuung und Verwirklichung der ganz eigenen Vision der modernen Sportbetreuung und der medizinischen Versorgung bei der Tour de France unterstützen.

Jan-Niklas Droste (li.) und Dr. Christopher Edler. (Foto: pr)

In ihrem Alltag beim Rennen arbeiten beide meist hinter der Bildfläche, zusammen mit Physiotherapeuten, Trainern, Sportwissenschaftlern, Köchen, Sportdirektoren und Mechanikern.. Ein Profiteam umfasst bei einer Rundfahrt wie der Tour de France rund 30 Teammitglieder und alle müssen sich immer auf den anderen verlassen können. „Dieser Job ist nichts für Einzelkämpfer, ich denke da verändert sich mit der modernen Sportbetreuung auch etwas das Bild des Teamarztes.“, so Christopher Edler über die Zusammenarbeit im Team.

Die gemeinsame Basis in einer Klinik in Hamburg in der die beiden Ärzte unterschiedlicher Teams, wenn sie mal nicht bei einem Rennen sind, gemeinsam arbeiten, hilft dabei ungemein und ermöglicht einen wichtigen Austausch über die Teamgrenzen hinaus. Wir haben die beiden etwas aus ihrem Alltag erzählen lassen, sie gefragt was es ausmacht Teamarzt einer Profisportmannschaft zu sein, wie sich der Job vom „normalen“ Beruf Arzt unterscheidet und wollten genauer verstehen was die beiden unter der Vision der modernen Sportbetreuung verstehen.

„Die Sportmedizinische Betreuung beinhaltet mehrere Dinge: Gerade in der langfristigen Teambetreuung ist es eine Mischung aus allgemeinmedizinischen Tätigkeiten und Akutmedizin im Wettkampf. Dabei kümmern wir uns von der Frühjahrsgrippe über Reiseimpfungen bis hin zur Versorgung und Nachsorge von Verletzungen.“, so Christopher.

Jan-Niklas Droste nahm 2013, 2014 und 2015 beim Stüken-Wesergold Mountainbike-Cup in Rinteln teil. (Archivfoto aus 2014)

Beide betreuen ihr jeweiliges Team 365 Tage im Jahr und das bei 24 Stunden Erreichbarkeit für jeden Fahrer jederzeit. Zusätzlich kommt ca. 1/3 des Jahres Rennbetreuung vor Ort auf der ganzen Welt. Die Erfahrung mancher Kollegen, die schon viele Jahre in der Medizin tätig sind, konnten sie noch nicht in jedem Bereich einholen, dass sind sich beide bewusst, aber das müssen sie auch nicht. Als Teamarzt sei nicht nur ein breites Verständnis der Medizin und ein eigenes Interesse am Sport und den typischen Verletzungsmustern notwendig, sondern auch die Kenntnis der eigenen Grenzen und das Wissen wann man seinen Sportler zum Spezialisten schicken muss oder wann eine Zweitmeinung sinnvoll ist. „Erfahrung, spielt auch eine sehr wichtige Rolle. Daher ist das Team hinter dem Team extrem entscheidend.“ Die gemeinsame Klinik in Hamburg bietet dafür die besten Voraussetzungen. Ein großes Team aus Experten mit jahrelanger Erfahrung auf ihren Gebieten stärkt den beiden nicht nur den Rücken, sondern gibt auch einen großen Teil ihrer Erfahrung an die beiden Jungmediziner weiter.

„Ich bin der festen Überzeugung, dass durch die Mischung aus Erfahrung und jungen, frischen Ideen eine hervorragende Synergie entstehen kann. Daher sehe ich mich auch eher als „Gesundheitsmanager der Mannschaft“ und weniger als Spezialist für Erkrankungen – obwohl das natürlich auch dazu gehört. Der Fokus ist aber ein komplett anderer“, erklärt Jan-Niklas, der fest davon überzeugt ist, dass die Einstellung auch dem Deutschen Gesundheitssystem gut tun würde – weg von der Behandlung von Krankheiten und hin zu einer Maximierung der Gesundheit.

Medizin könne und sei so viel mehr, als nur das Reagieren auf Verletzungen und das Behandeln von Krankheiten. Genauso wichtig sei die Prävention, um zu verhindern, dass der Sportler ein hohes Risiko hat sich zu verletzen oder krank zu werden. Diese moderne und immer wichtiger werdende Einstellung teilen Christopher und Jan- Niklas und setzen sie täglich, nicht nur in ihren Radsportteams, um. „Am besten ist es immer noch, wenn wir gar nicht erst heilend tätig sein müssen.“ So entstehen verschiedenste Konzepte, um die Gesundheit der Sportler zu maximieren – agieren statt reagieren.

Ein weiterer immer wichtiger werdender Aspekt in der heutigen Welt der medizinischen Sportbetreuung und im Bild des modernen Teamarztes ist die mentale Gesundheit. Auch hier sprechen beide bewusst von Gesundheit anstatt von der Stigmatisierung „Krankheit“.

„Auf den Profisportlern lastet ein immenser Leistungsdruck. Es müssen Siege eingefahren und Punkte geholt werden, dann ist man
die meiste Zeit des Jahres unterwegs und hat wenig Zeit seine Familie und Freunde zu sehen. Wenn es dann mal nicht so gut, läuft ist es für manche Sportler schwierig Halt zu finden und mit einer Niederlage gut umzugehen. Da sind wir dann natürlich auch für den Sportler da“, so Christopher. Jan-Niklas nickt zustimmend und ergänzt: „Egal ob Tränen abtrocknen und in den Arm nehmen nach einer großen Enttäuschung, ein nächtliches Gespräch, weil der Sportler nicht schlafen kann oder gemeinsam auf den erzielten Sieg anstoßen – für all das sind wir da, Tag und Nacht. Das gilt auch für die diesjährige Tour, die bereits in vollem Gange und für beide die intensivste Zeit im Jahr ist. Beide konzentrieren sich zu 100% darauf die Fahrer gesund und ohne Verletzungen oder gar Ausstiege bis nach Paris zu bringen, wo jedes Jahr das Finale stattfindet. „Wenn dabei auch noch der ein oder andere Etappensieg herausspringt, würde mich das natürlich um so mehr freuen!“, lächelt Christopher. Jan-Niklas lacht. Er hofft, dass sich beide zum Ende der Tour beim Tätowierer wiederfinden, denn dann hätten beide Teams die Tour erfolgreich abgeschlossen und ihre jeweiligen Mannschaftsziele erreicht. Wettschulden sind Ehrenschulden 😉(pr)

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