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Zwischen den Jahren

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„Zwischen den Jahren”, dieser Ausdruck hat eine lange Geschichte. Sein Ursprung liegt in der ungleichen Jahreseinteilung bei Mond- und Sonnenkalender. Die Differenz zwischen beiden Zählweisen beträgt 12 Tage.

Schon die alten Ägypter hatten das Problem, die 365 Tage eines Sonnenjahres auf 12 Monate zu verteilen. Sie nahmen für einen Monat 30 Tage und hängten die übrigen 5 Tage hinten an.
Für die frühen Christen war das Problem noch ein wenig größer. Einerseits war die Wintersonnenwende von großer Bedeutung, andererseits wollten sie aber auch die wichtigen Feiertage im Leben Jesu berücksichtigen.
Da diese aber niemand wirklich kannte, legte die Kirche sie selbst fest. Zunächst wurde am 6. Januar die Taufe Christi gefeiert und mit ihr der Beginn des neuen Jahres, das alte endete traditionell am 24. Dezember.

Im Laufe der Jahrhunderte änderte sich die Festlegung von Ende und Anfang eines Jahres immer wieder, so dass bis heute drei Überlieferungen bekannt sind. Die sogenannten Rauhnächte währen von der Wintersonnenwende am 21. Dezember bis zum 6. Januar. Im Mittelalter dauerte die Zeit zwischen den Jahren vom 24. Dezember bis zum 6. Januar. Und schließlich, wenn man regionale Unterschiede außer Acht lässt, haben sich in der Gegenwart die Tage vom 24. Dezember bis zum 1. Januar durchgesetzt.

Foto: Dirk Wegener
Foto: Dirk Wegener

Doch jenseits dieser Betrachtungsweise gibt es noch einen anderen, einen sehr persönlichen Aspekt.
Zwischen den Jahren – wer kennt das nicht, dieses Gefühl des Innehaltens, die Mischung aus Festhalten, Loslassen und Aufbruch, die sich irgendwann an oder nach Weihnachten einstellt?

Es ist eine Zeit der Bilanz, manchmal ganz nüchtern und manchmal sehr emotional. Der eine führt sie ganz bewusst herbei, bei dem anderen stehlen sich diese Momente ganz leise, ohne sein Zutun in die letzten Tage des alten Jahres. Wir erinnern uns an das Erlebte, an die Höhen und Tiefen der Vergangenheit. Und wir versuchen uns die Zukunft auszumalen. Wir denken an die Menschen, die uns begleitet haben; denken an die, die in unser Leben getreten sind und an die, die uns verlassen haben. Die Gedanken kreisen um das, was war und um das, was kommen wird.

Es ist eine Zeit, in der wir mit unseren Erfahrungen ein Stück weit im alten Jahr gefangen sind, uns aber mit unseren Erwartungen schon im neuen Jahr bewegen. Mehr als sonst schlagen wir eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft, in der Zeit zwischen den Jahren.

Ein Gastbeitrag von Dirk Wegener (Rinteln 365), Foto: Dirk Wegener

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