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BBS-Klasse aus Rinteln macht den Selbstversuch im Harz: Wie lebt es sich ohne Annehmlichkeiten des Alltags?

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(Rinteln / Goslar) Im Alltag helfen uns allerlei Annehmlichkeiten: Trinkwasser fließt aus der Leitung, Essen lässt sich auf dem E-Herd schnell und einfach zubereiten, das Haus bietet uns Schutz und Geborgenheit. Doch wie lebt es sich ohne diese Annehmlichkeiten? Eine Klasse der Berufsbildenden Schulen Rinteln hat es ausprobiert.

Die ersten Sonnenstrahlen fallen zwischen den Kronen der Fichten hindurch auf das Trekking-Camp. Der Himmel ist blau. Es ist still an diesem Morgen. Nur das leise Knistern des gerade erwachenden Lagerfeuers und vereinzelte Rufe eines Eichelhähers sind zu hören. Eine Schülerin und ein Schüler der Berufsbildenden Schulen Rinteln (BBS) schüren das Feuer, kochen Kaffee, wärmen sich auf. Die Nacht war besonders kalt: Es sind an diesem Morgen Ende Mai nur 3° C.

Die Nacht wurde in diesen offenen Holz-Unterkünften verbracht.

Die beiden gehören zur Abschlussklasse der Fachschule Sozialpädagogik, die mit acht Schülerinnen, zwei Schülern, einem Kind und zwei Lehrkräften für eine Übernachtung in den Harz gekommen sind. Sie haben die Nacht in offenen Holzsheltern verbracht, die seit diesem Jahr als Teil des Waldpädagogikzentrums Harz auf der Fläche des Niedersächsischen Forstamtes Clausthal für die Umweltbildung zur Verfügung stehen.

Die Fachschule Sozialpädagogik möchte die Schülerinnen und Schüler in die Lage versetzen, selbständig und eigenverantwortlich Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsangebote wahrzunehmen. Das Land Niedersachsen gibt seinen Schulen vor, die sogenannte Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) systemisch in Unterricht und Schule zu verankern. Beide Ziele werden an den BBS Rinteln mit dem Lernangebot verfolgt. So haben die Schüler über das Schuljahr verteilt einen Einblick in ausgewählte Bereiche der BNE erhalten, mit dem Schwerpunkt auf der Waldpädagogik.

Die Übernachtung im WPZ Harz bildet den Abschluss der Unterrichtsreihe. Ziel ist die intensive Auseinandersetzung mit begrenzten Ressourcen und ausgewählten Zielen für nachhaltige Entwicklung, die die Vereinten Nationen in der Agenda 2030 festgeschrieben haben: Gesundheit und Wohlergehen, kein Hunger, sauberes Wasser.

„Zu!“- die Schülerin steht in etwa 4 Metern Höhe am Stamm einer Douglasie auf eigens für das Baumklettern angebrachten Griffen. Mit dem Kommando signalisiert sie ihren Mitschülerinnen, die am Boden für ihre Sicherung zuständig sind, dass sie nicht weiter in die Höhe klettern möchte. Das Sicherungsseil wird von der Bodencrew festgezogen, die Kletterin ist gesichert und kann sich auf Material und Team verlassen. Der geplante Stopp auf dem Weg in die Baumkrone nennt sich „Vertrauensübung“.

„Das Baumklettern ist bei uns meist der erste Schritt für die Klassen, die sich noch nie mit dem Thema Klettern auseinandergesetzt haben. Es gilt, Vertrauen in die Sichernden, in das Material und sich selbst zu gewinnen“, weiß Dr. Bettina König zu berichten. Sie ist Leiterin des Tagesbetriebs am WPZ und betreut gemeinsam mit ihrem Kollegen das Klettern. „ Die Vertrauensübung ist ein wichtiger Baustein, damit es im Anschluss mit dem neu gewonnen Vertrauen in den Felsen gehen kann.“.

Das Baumklettern ist eines der vielen pädagogischen Angebote des WPZ Harz. Die Teilnehmer nehmen die Herausforderung an und selbst anfängliche Zweifel und Höhenangst werden an diesem Nachmittag überwunden – gemeinsam und unter den Anfeuerungsrufen der Mitschüler. So sind die Strapazen des steilen Aufstiegs aus dem Okertal, wo sich die Klasse heute Morgen getroffen hat, hinauf zum WPZ schon fast wieder vergessen.

Mittlerweile ist es später Nachmittag. Die Gruppe wandert zurück zum etwas abseits gelegenen Trekking-Camp, nicht ohne an der WPZ-eigenen Quelle noch das benötigte Frischwasser zu entnehmen. Denn auch das gehört zum Programm: Informieren, Planen und vorausschauend mit den begrenzten Ressourcen arbeiten. Das Wasser, abgefüllt in große 25-Liter-Kanister, gehört in diesen zwei Tagen zu den begrenzten Gütern. So kann hautnah erlebt werden, welch hohes Gut das Trinkwasser aus dem Wasserhahn darstellt.

Zurück im Trekking-Camp geht es ans Abendessen. Auch hier stehen wieder die begrenzten Ressourcen im Vordergrund. Die Aufgabe für die Klasse lautet, auf einer Feuerstelle ein dreigängiges Menü zu kochen, dass nicht nur zur vereinbarten Zeit fertig sein soll, sondern auch den unterschiedlichen Ernährungsgewohnheiten Rechnung tragen soll. Und so kommen nach drei Stunden Fischliebhaberinnen, Fleischesser und Vegetarierinnen voll auf Ihre Kosten. Satt, zufrieden und voller neuer Eindrücke und Erfahrungen lassen die Teilnehmer den Abend am Lagerfeuer ausklingen.

Die Übernachtung im Waldpädagogikzentrum Harz bildet den Abschluss der Unterrichtsreihe.

Während ein Teil der Klasse mit aufkommender Dunkelheit in die Schlafsäcke krabbelt, unternimmt eine kleine Gruppe noch eine Nachtwanderung zu den Ahrendsberger Klippen. Als dann auch die Wandersleute in die Shelter schlüpfen, kehrt Ruhe im Camp ein.

Der Eichelhäher hat sein Rufen eingestellt, der frische duftende Kaffee füllt die Becher. Man isst frisch gebackenes Bannock, ein Pfannenbrot, dick bestrichen mit Marmelade. Die Kälte der Nacht ist auch bei den beiden Frühaufstehern vergessen. Der Ausblick ins sonnendurchflutete Okertal ist atemberaubend. Gut gestärkt wird das Camp abgebaut, die Ausrüstung gereinigt und verstaut. Schließlich muss sie für den nächsten Einsatz bereit sein, wenn es in ein paar Wochen mit einer anderen Klasse in Wald geht.

„Wir haben viel erlebt und tolle Eindrücke gesammelt. Ich hoffe, dieses Erlebnis kann noch vielen Klassen angeboten werden.“, sagt Herr Greifenberg, der gemeinsam mit Frau Cuhlmann die Klasse in diesen zwei Tagen begleitet hat. Einen Dank verbindet er mit seinen Ausführungen: „Wir konnten den Unkostenbeitrag für die Schülerinnen und Schüler erfreulich gering halten, da der Förderverein der BBS Rinteln drei Viertel der Verpflegung, der Miete des Trekking-Camps und der Personalkosten des WPZ übernommen hat. So konnten auch knappe monetäre Ressourcen geschont werden-“

Der Rückweg zu den Autos unten im Okertal ist schnell geschafft. Die Schüler verabreden sich sofort zur Revival-Tour im nächsten Jahr. Die Schülerin, die eine besonders kalte Nacht erlebt hat, verkündet strahlend: „Ich hab es mir viel schlimmer vorgestellt – aber es ist richtig toll!“. (pr/Fotos: pr)

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