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„Eins Live hat auch mal klein angefangen“

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Einen Radiosender stellt man sich meist klassisch vor: Mit Studio, jeder Menge Mischpulten und Technik, einem Moderator am Mikrofon und Hörern an knisternden UKW-Empfangsgeräten am anderen Ende der Funkstrecke. Beim ersten Erzählcafé des Heimatbundes im Museum machten einige der Gäste eine neue Erfahrung: Es geht auch ohne UKW. Tim Gersonde informierte die Besucher über sein lokales Projekt „Radio Rinteln“, das derzeit noch ausschließlich über das Internet empfangen werden kann.

Tim Gersonde (Mitte) berichtet über „Radio Rinteln“.

Einen Anlass zur Gründung von Radio Rinteln gab unter anderem die Berichterstattung auf Rinteln-Aktuell.de über „Sunset Radio“ – ein Webradio, das Gersonde als Mit-Inhaber leitet. „Wir hatten den Eindruck, dass Rinteln ein stadtbezogenes Internetradio mit Meldungen und Neuigkeiten aus der Region braucht“, erklärt er, „es gibt so viele Attraktionen, Ereignisse und Events in dieser Stadt.“ Binnen kürzester Zeit stampften Tim und sein Mitstreiter Markus Radio Rinteln aus dem Boden. „Es gibt bereits seit vielen Jahren Konkurrenz im Rintelner Internetradio-Bereich“, ergänzt Tim, „wir haben es dennoch geschafft, gleich am Start bis zu 100 Hörer begeistern zu können.“ News kamen (und kommen) von Rinteln-Aktuell.de. Die Facebook-Fanbasis wuchs schnell, doch letztlich hat sich das Projekt nicht ganz so entwickelt, wie geplant. Hohe Kosten und Abgaben für Gema/GVL, dazu die Investitionen in Musik und technisches Equipment, gepaart mit einem immensen Zeitaufwand und fehlendem Personal führten letztlich dazu, dass sich Radio Rinteln nicht zu der ursprünglich gedachten Größe entfalten konnte, wie der 21-Jährige zugibt.

Mit unserer Berichterstattung über „Sunset Radio“ im Oktober 2015 fiel bei Tim der Groschen und die Idee zu Radio Rinteln wurde geboren.

Aktuell kümmert sich Moderator Gordon fast täglich mit seiner Show von 17:00 bis 20:00 Uhr um die Hörer. Es gibt News, Sprechbeiträge und während seiner Live-Show Musik der 70er, 80er, gemischt mit schottischem Rock. „Gordon ist Schotte“, lacht Tim, „er moderiert fast immer auf Englisch.“ Moderator werden ist eigentlich ganz einfach, erklärt er den Zuhörern: „Man braucht nur legal erworbene Musik, einen Internetanschluss und Zeit.“ Die Software installiert er dem Moderator auf Wunsch zuhause auf dem heimischen PC. „Es gab Anfragen von Bewerbern die bei uns moderieren wollten“, so Tim, „manche haben versucht, uns mit illegal heruntergeladenen Liedern zu täuschen, von denen haben wir uns getrennt.“ Seitdem lässt er von jedem potenziellen Kandidaten eine Erklärung unterschreiben, in der die Einhaltung von Gesetzen und Regeln versichert wird.

Der Start lief vielversprechend. Bereits wenige Minuten nach der offiziellen Vorstellung beim Neujahrsempfang der Stadt Rinteln im Januar 2016 kamen Interessenten auf ihn zu, berichtet Gersonde. Unterstützung für Infrastrukturkosten, Server & Co. kam von der Stiftung für Rinteln. Im Gegenzug erstellten Tim und Markus mit ihrer neu gegründeten Firma für Webdesign, weserWEB, die Internetseite für die Stiftung. Selbst Radio-Ikone Ecki Stieg, verriet Tim im Anschluss auf Nachfrage, war von dem Projekt angetan. „Wir haben WeserTekk angeboten, am Wochenende ihre Shows auf Radio Rinteln zusenden, leider kam es nicht zu einer Kooperation“, so Tim. Doch die Aufgaben und Herausforderungen des Alltags holten das Duo schnell ein: Auszug von Zuhause, ein freiwilliges soziales Jahr, den Lebensunterhalt bestreiten. Fürs Radio blieb da keine richtige Zeit mehr, gab er zähneknirschend zu. Die Teilnehmer des Erzählcafés, von denen einige an dem Nachmittag erstmalige Kenntnisse von Facebook, „Likes“ und sozialen Netzwerken erhielten, zeigten sich sichtlich beeindruckt und interessiert und sparten nicht mit Verbesserungsvorschlägen. Man könne ja vielleicht einen Verein gründen und die Aufgaben von Radio Rinteln so auf mehrere Schultern verteilen, schlug beispielsweise Museumsleiter Dr. Stefan Meyer vor. Die Musikpalette erweitern und so neue Hörerschichten erschließen, lautete ein anderer Vorschlag. Oder aber eine UKW-Frequenz beantragen und so auf klassischen Wegen, beispielsweise auf herkömmlichem Weg im Autoradio empfangbar bleiben. Eine Idee, die Tim auch schon beschäftigte: „Die UKW-Lizenz ist allerdings sehr teuer und man muss sich darum bewerben.“ Allerdings, so das Fazit von Tim: „Eins Live hat auch mal klein angefangen.“


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