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Hospizverein Rinteln: Ingeborg und Hans-Joachim Schumer verabschieden sich aus dem Vorstand

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(Rinteln) Vor 21 Jahren fiel die Entscheidung, in Rinteln einen Hospizverein zu gründen. Ingeborg und Hans-Joachim Schumer, Annegret und Alfred Hoffmann, Pfarrer Stephan Lorenz und Pflegedienstleiterin Christine Deppmeyer haben sich zum Ziel gesetzt, Mitbürgern die Möglichkeit zu geben, sich durch die Arbeit in der Öffentlichkeit mit dem Thema „Leben bis zuletzt“ zu beschäftigen. Vorträge und Seminare wurden abgehalten, Fortbildungen und Trauergruppen organisiert. Immer mit dem Ziel, die Themen Sterben und Tod aus der Tabuzone zu holen.

Ingeborg und Hans-Joachim Schumer (Links, Mitte) haben sich aus dem Hospizverein Rinteln verabschiedet. Rechts: Die stellvertretende Vorsitzende Constanze Priebe-Richter.

Denn, so Schumer im Jahresbericht: „..irgendwann gehen wir alle, ob wir wollen oder nicht, über die Regenbogenbrücke…“.

Die Lebensbegleitung von Seiten des Hospizverein wird jedoch zunächst durch andere Kräfte organisiert werden müssen. Auf der jüngsten Mitgliederversammlung haben Ingeborg und Hans-Joachim Schumer ihren Rückzug aus der Vorstandsarbeit bekanntgegeben. Tochter Cornelia ist ebenfalls nicht mehr als Koordinatorin im Verein aktiv.

Eine Nachfolge für den Posten des ersten Vereinsvorsitzenden gibt es derzeit noch nicht, die wiedergewählte, zweite Vorsitzende Petra Conradi wird die Geschäfte weiterführen. Neuer gewählter Schatzmeister ist Tim Zöllner.

Im Jahresbericht 2020 beschrieb Schumer die großen Probleme und Konflikte, die aufgrund der Corona-Pandemie und den auferlegten Kontaktbeschränkungen standen. Diese stünden im starken Widerspruch zur Grundüberzeugung der Hospizbewegung, dass niemand alleine sterben solle, sondern vielmehr durch Begleitung von Mitmenschen und unter Einbezug der körperlichen, sozialen und psychischen Bedürfnisse am Lebensende. Bei größtmöglichem Schutz galt es, soviel Begleitung wie möglich zu gewährleisten, was sich als sehr schwierig erwies.

Heime und Familien wurden vorsichtig und reduzierten die Nachfrage nach Unterstützung. Rituale und Traditionen wie Abschlussfahrten mit den Ehrenamtlichen fielen ins Wasser, Trauergruppen mussten abgesagt werden. Kurse zur Begleitung von Schwerstkranken, Sterbenden und Angehörigen fanden nicht statt. Der Vorstand bedankte sich von ganzem Herzen bei den ehrenamtlichen Mitarbeitern, die es dank des Erfindungsreichtums schafften, Kontakt zu Kindern und Erwachsenen zu halten.

Die 2. Vorsitzende Petra Conradi (re.) überreichte Blumen bei diesem emotionalen Abschied.

Derzeit zählt der Hospizverein 291 Mitglieder, davon 24 ehrenamtliche Mitarbeiter. Corona-bedingt wurden mit 29 Einsätzen elf Begleitungen weniger durchgeführt als noch im Vorjahr. Über 400 Telefonate wurden geführt und E-Mail-Kontakte gepflegt und 35 Beratungen über Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen abgeschlossen. Damit kommt der Verein auf 650 geleistete Arbeitseinsatzzeiten und 4.400 gefahrene Kilometer, 3.197 davon durch Ehrenamtliche.

Der Hospizverein, so umschrieb es Schumer, habe in Rinteln einen Bahnhof aufgebaut mit einem Schild „Einstieg zur Begleitung auf der letzten Fahrt zur Regenbogenbrücke“. Diese Fahrten werden nach dem Weggang der Schumers künftig von einem neuen Vorstand zu leiten sein. Die Aufgabe, soviel steht fest, wird alles andere als einfach.

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