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„Meine Frau und ich haben an unserem Küchentisch andere Themen zu bereden als Kommunalpolitik!“

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(Rinteln) Nach 25 Jahren Stadtratszugehörigkeit tritt Prof. Dr. Gert Armin Neuhäuser („Rintelner Interessen“, zuvor WGS-Fraktionsvorsitzender) zwar noch einmal formal für den Stadtrat an – aber auf dem eher symbolischen und chancenlosen letzten Listenplatz. Rinteln Aktuell sprach mit ihm über die Gründe für seinen Rückzug aus der Rintelner Ratspolitik.

Rinteln Aktuell: Herr Prof. Neuhäuser, wieso für Sie nur der letzte Listenplatz bei der Stadtratswahl?

Prof. Neuhäuser: Aufgrund meiner eigenen Entscheidung und in Abstimmung mit der Fraktion RI höre ich auf. Ich habe 25 Jahre im Stadtrat gesessen, und es hat mir überwiegend viel Spaß gemacht. „Rintelner Interessen“ hat eine tolle, bunte Truppe auf den Weg gebracht, die ich auch gerne weiterhin unterstütze. Da meine Frau Doris aber in Rinteln als unabhängige Bürgermeisterin antritt, ist es jetzt der richtige Moment für mich, aufzuhören. Wir haben in unserer Familie viele andere Themen am Küchentisch zu bereden als Kommunalpolitik. Das soll auch so bleiben, und deswegen ziehe ich mich zurück. Wir werden also unter keinen Umständen zusammen im Stadtrat sein. Zudem widme ich mich auch verstärkt meiner Hochschultätigkeit, und auch mein Tag hat nur 24 Stunden.

Rinteln Aktuell: Verwundert es Sie, dass die WGS die Kandidatin von SPD und Grünen unterstützt?

Prof. Neuhäuser: Zur WGS möchte ich mich nicht weiter äußern, es sei nur kurz angemerkt, dass ebenso wie bei der SPD ja auch bei der WGS mehrere andere Wunsch-Bürgermeisterkandidaten und Bürgermeisterkandidatinnen zuvor bereits abgesagt hatten, bevor die Unterstützung der Grünen-Kandidatin jetzt die letzte Wahl für SPD und WGS wurde.

Mich verwundert allenfalls auf Grund der bisherigen politischen Unvereinbarkeiten zwischen WGS und Grünen, dass gerade die Grünen diese Unterstützung durch die WGS nun so annehmen, auch etwa, weil Heinrich Sasse zum Beispiel mit seiner überregional bekannt gewordenen Mietanzeige „Keine Asylanten!“ ja diametral zu den Grünen Werten in Widerspruch steht. Für mich wird mit dieser Verbindung daher deutlich, dass es SPD und Grünen alleine um Macht, und nicht um Inhalte geht.

Prof. Dr. Gert Armin Neuhäuser. (Foto: pr)

Rinteln Aktuell: Wir beurteilen Sie den derzeitigen Wahlkampf?

Prof. Neuhäuser: Im offenen Bereich sauber, aber im Schutz des Verborgenen, d.h. im Internet und anonym, unglaublich dreckig. Zu einem anonymen Schreiben an sie hat Ursula Helmhold die „Feigheit der Anonymität“ beklagt, und das vollkommen zu Recht. Auch ich habe schon anonyme Briefe erhalten, und es gibt auch Anfragen durch Fake-Personen.

Rinteln Aktuell: Heinrich Sasse äußert sich auch in Posts im Internet über sie persönlich und greift sie stark an. Wie ist Ihr Verhältnis zu ihm heute?

Prof. Neuhäuser: Bitte haben Sie Verständnis, dass ich mich auch zu Heinrich Sasse nicht weiter äußern möchte. Einen Tag sehe ich Nachrichten von ihm mit Bösartigkeiten, und dann wieder eine schriftliche Liebeserklärung an mich, wörtlich „Ich habe dich lieb!“ per E-Mail. Es liegt außerhalb meiner Fachkompetenz, etwaige Ursachen hierfür zu erkennen oder dies bewerten zu können. Ich bin Doktor der Rechte, nicht Arzt oder Psychologe.

Rinteln Aktuell: Sie treten aber dafür für „Rintelner Interessen“ für den Kreistag an. Was sind hier ihre Ziele?

Prof. Neuhäuser: Auf Kreisebene finde ich ein zentrales Problem für uns hier in Rinteln die vollkommen ungerechte Müllgebührensatzung, bei der die Rintelner Bürgerinnen und Bürger viel zu viel Geld für viel zu wenig Leistungen zahlen. Das führt dazu, dass überall Müll wild abgelagert wird, weil auch Annahmezeiten und die dann noch obendrauf kommenden Extra-Gebühren hierfür unzumutbar sind. Den wild abgelagerten Müll muss dann der Bauhof beseitigen. Und was das dann wieder kostet an Personal und Sachmitteln, das zahlen auch wieder die Rintelner Bürgerinnen und Bürger. Das läuft in anderen Landkreisen sehr viel kostengünstiger und bürgerfreundlicher. Dies wird ein Schwerpunkt meines Engagements sein.

Rinteln Aktuell: Was wünschen Sie sich für die Zukunft Rintelns?

Prof. Neuhäuser: Dass die Pandemie gestoppt wird, Rinteln deren Folgen gut bewältigt, die Menschen zusammenhalten und gemeinsam Werte vertreten, und dass die Rintelner Bürgerinnen und Bürger allein nach der fachlichen Qualifikation ihre Wahlentscheidung bei der Bürgermeisterinwahl treffen, sodass ich meiner Frau am 12. September 2021 gratulieren kann!

Rinteln Aktuell: Herr Prof. Neuhäuser, vielen Dank für das Gespräch!

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