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Wird der „große Klotz noch größer“? Erste Bedenken zum neuen Brückentorkomplex / Investoren in Sorge

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Das Interesse an einer öffentlichen Sitzung von Ortsrat und Bauausschuss war selten so groß wie gestern. Dutzende Bürger hörten zu, wie sich die politischen Vertreter eine lebhafte Diskussion um den „Startschuss“ zur Planung des neuen Brückentorkomplexes lieferten. Ein Startschuss, bei dem beispielsweise Gert-Armin Neuhäuser (WGS) mahnte, auch die Richtung festzulegen, „damit man sich am Ende nicht selbst ins Knie schießt“. Kay Steding (CDU) lieferte die Vorlage mit einem Auszug aus seinem Fragenkatalog, den er in Richtung Investor Norbert Dittel, Stadtplaner Peter Flaspöhler und Architekt Wolfgang Hein richtete. Einem Aufstellungsbeschluss, wie von der Verwaltung vorgelegt, werde er nicht zustimmen – vielmehr solle ein vorhabenbezogener Bau- und Erschließungsplan aufgestellt werden. Bei letzterem handelt es sich nämlich um eine Sonderform, bei der ein Investor sich genau an die Vorgaben und Abmachungen halten müsse, so Steding. Ein herkömmlicher Bebauungsplan ließe ein Zeitfenster von 30 Jahren zur Umsetzung. Und schließlich: Bei der Diskussion um die Gestaltungssatzung der Innenstadt werde kleinteilig diskutiert, hier mache man „aus einem großen Klotz einen noch größeren“.

Fragenvielfalt an den Investor

Viele Fragen der Ausschussmitglieder, die zum jetzigen Zeitpunkt nicht beantwortet können: Architekt Wolfgang Hein, Investor Norbert Dittel und Stadtplaner Peter Flaspöhler aus Hessisch Oldendorf (von links)

Zeitweise schien es so, als wehte ein Hauch von Unsicherheit und Misstrauen ob der Umbaupläne durch den Sitzungssaal. Ob es denn eine Garantie gebe, dass der Saal überhaupt gebaut werde, wollte Steding wissen und betonte, „ohne eine Sicherheit von rund 5 Millionen Euro“ den alten Brückentorsaal nicht zum Abriss freigeben zu wollen: „Wir reden viel von Ehrenamt und Vereinen, aber wenn der Saal für ein, zwei oder drei Jahre nicht zur Verfügung steht, ist das für die Vereine eine Katastrophe.“ Weitere Fragen prasselten aus unterschiedlicher Richtung auf den Investor ein, darunter die nach der Ästhetik einer Stahl-Fluchttreppe an der Außenfassade als zweiter vorgeschriebener Rettungsweg. Welche Mieter und Einzelhändler denn untergebracht werden sollen, wollte man wissen, was mit den Fahrradwegen passieren würde, mit der Sicht von der Weserbrücke auf den Blumenwall, ob am Ende nicht ein „finanzieller Bumerang“ auf die Stadt zurückkäme, wenn der Saal für teures Geld zurückgepachtet werden müsse, wie sich der neue Brückentorsaal und die Lautstärke bei Veranstaltungen mit den geplanten Wohnungen vertrage – Architekt und Investor schienen die Sorgenfalten förmlich ins Gesicht gemeißelt.

SPD sieht generelle Bedenken der Mehrheitsgruppe gegen Brückentor-Neubau

Der Sitzungssaal war sehr gut besucht, das öffentliche Interesse am Bauprojekt „Brückentorkomplex“ ist groß.

Viele dieser Punkte, so hieß es als Antwort, könne man zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht beantworten da es einfach zu früh sei. Gespräche mit Mietern und Interessenten lassen sich nicht im Detail führen, solange nicht fest steht, wie die zu vermietenden Flächen überhaupt aussehen. „Lassen Sie uns die Pläne gestalten“, appellierte Dittel an die Ausschussmitglieder, „wir müssen uns zeitlich sputen.“ Wenn die Gemeinschaft noch ein paar Jahre über die „Pläne brüten“ müsse, könne er nicht investieren, so Dittel. Dieter Horn (SPD) versuchte, die Wogen zu glätten und signalisierte Zustimmung zur Beschlussvorlage der Verwaltung: „Wir sind froh, dass das Thema in Angriff genommen wurde, denn so wie es jetzt ist, kann es nicht bleiben. Bei den durch die Mehrheitsgruppe vorgetragene Punkten könnte man allerdings meinen, es bestünden generelle Bedenken gegen den Bau.“ Allerdings appellierte auch Horn angesichts der Verkehrssituation am Pferdemarkt zur Vorsicht und Weitsicht. Der Verkehr zum Schulzentrum müsse trotz Ausrichtung des Gebäudes zur Fußgängerzone nach wie vor über die Westumgehung geleitet werden und auch Radfahrer müssten die Straße gefahrlos queren können.

Wasserfledermaus könnte Bauzeit verlängern

Neuhäuser argumentierte, die Beschlussvorlage enthalte ihm „viel Investorensprache“ und man sollte nicht in eine Lage kommen, jetzt nur aus Zeitdruck abzustimmen. Ein vorhabenbezogener Bebauungsplan schien ihm als Risikominimierung der richtige Weg. Als Negativbeispiel für zu viel gestalterischen Spielraum nannte er das Ärztehaus in der Mühlenstraße, wo „plötzlich ein Fahrstuhlschacht“ die Kulisse bereicherte. Nick Büscher vom NABU erinnerte an eine Wasserfledermauskolonie, die im Nahbereich des Pferdemarktes angesiedelt sei, aufgrund dessen wären Bautätigkeiten in den Sommermonaten eventuell nicht möglich. Uta Fahrenkamp (Grüne) merkte an, auch den Kollegienplatz gelte es nach Wegzug der IGS zu überplanen, da „muss man langfristig denken“. Baudezernentin Elena Kuhls stellte klar, bei dem Beschluss gehe es einzig um die Einleitung des Verfahrens. Mieten seien an dieser Stelle nicht regelbar. Beide Planverfahren seien gleichrangig, man sollte aber ein „Signal auf den Weg bringen, damit der Investor weiß, dass es konkret werden kann.“

Dies ist seit August 2017 das einzige Modell des geplanten, neuen Brückentorkomplexes.

Ist die Angst vor der Größe des neuen Brückentorkomplexes berechtigt? Wie groß wird das neue Gebäude überhaupt? Bisher existiert nur ein recht grobes Baumassenmodell, dass den Umriss vage skizziert. Die Idee von Matthias Wehrung (CDU), mittels „Flatterband“ am alten Gebäude die Umrisse des Neubaus sichtbar zu machen, stieß auf Investorenseite auf wenig Gegenliebe. Dass es durchaus ein probates Mittel zur Verdeutlichung von Größen sein kann, wurde leider erst am Ende des rund dreistündigen Sitzungsmarathons klar. Aus Bürgerreihen kam der Einwand, bisher sei noch niemandem richtig verdeutlicht worden, welche Ausmaße der Neubau annehmen werde und dass er auch von der gegenüberliegenden Weserseite für jeden präsent sein werde. Von den Investoren und Architekten war zu diesem Zeitpunkt allerdings schon niemand mehr anwesend. Auch die Zahl der Zuschauer nahm mit fortgeschrittener Uhrzeit deutlich ab. Da der Einwohner sein Anliegen nicht als Frage formulierte, machte sich anschließend auch (leider) kaum jemand mehr die Mühe, seine mitgebrachten Fotos zu begutachten. Wir haben es getan und ein Beispiel angehängt. Sie zeigen, wie man Bauvorhaben und Gebäudevergrößerungen in den USA mit Netzen und Stangen verdeutlicht. Eine Idee, die sich bestimmt auch am Beispiel des Brückentorkomplexes gut umsetzen ließe.


Ortsrat und Bauausschuss stimmten übrigens mit dem Votum der Mehrheitsgruppe gegen die Beschlussvorlage der Verwaltung und für einen vorhabenbezogenen Bau- und Erschließungsplan. Nächste Station ist der nichtöffentliche Verwaltungsausschuss am 14.2. und die öffentliche Ratssitzung am 22.2.

Dieses Foto schaffte es wegen eines Formfehlers leider nicht mehr in die Hände der Verwaltung: Mit Stangen und Netzen kann, wie hier in an einem Beispiel gezeigt, das Größenverhältnis eines Umbaus verdeutlicht werden.

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