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Kadosch erinnert sich an den Frühling auf Mallorca

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„Das Feld ist rot!“
„Nein – das Feld ist gelb mit roten Sprenkeln!“
„Rot, rot wie der Mohn ist die vorherrschende Farbe, gelb ist die Grundfarbe!“
„Nun schau` doch genau hin! Das Feld ist gelb, komplett gelb von den Margueriten, der Mohn steht doch nur dazwischen.“

So oder so ähnlich stritten sich die beiden Freunde am Rande des Feldes in Estellenc, dem einsamen Bergdorf auf ihrer geliebten Insel. Was beide aber sagen wollten, war: „Ist das nicht einfach nur schön?“ Sie einigten sich auf die Schönsein-Formel.

Bereits die bisherige Fahrt auf der C710 von Andraitx nach Norden war so eindrucksvoll, die vom Sturm gepeitschten Wellen schlugen gegen das Steilufer, dass die Erde bebte. Von oben schien strahlend die Sonne, dass die dunklen Windjacken unserer beiden Freunde die Hitze speicherte und sie viel zu warm wurden.

Die eigentlich erwartete Stille im Port Es Canonge wurde durch den starken Orkan davon geblasen; die trockenen Äste der sturmgebeugten Pinien pfiffen mit den Metall-Leinen der Segelschiff-Masten um die Wette ein gruseliges, schrilles Lied.

So fiel der Aufenthalt nur kurz aus, sie flüchteten in den Garten von Margalida’s Restaurant, wo Glaswände den Sturm Einhalt geboten, die Ruhe zum Sonnenbaden bei einem Carajillo einlud.
Nun wieder hinauf die gefährliche Straße, weiter Richtung Bañalbufar mit seinen beeindruckenden Terrassenkulturen.

Rührend naiv dann die museale Sammlung im „La Granja“. Epochen werden hier munter durcheinander gemischt, dennoch beeindruckt die Darstellung autarker Versorgung in vergangener Zeit. Landwirtschaft, Handwerk und die Herstellung eigener Lebensmittel und Kleidung haben sicher die meiste Zeit des damaligen Lebens in Anspruch genommen – ein hartes Los!

Abends, am „Creu de Conquestes“ bei Santa Ponça umfing sie die Ruhe des Tages, die beleuchteten Hotelburgen, einbetoniert in die grausam verstümmelte Landschaft, waren weit weg.

„Man muss wohl darin wohnen, um dies nicht ständig sehen zu müssen“ stellte einer der beiden Freunde lakonisch fest.

Beinahe hätten sie noch im Halbdunkel einen Unfall provoziert, als sie in der falschen Richtung die Einbahnstraße hinein fuhren. Die resolute, reife spanische Dame gab ihnen allerdings mit Ihrem quer gestellten Seat erst den Weg frei, als sie sicher war, dass diese Fremden auch wirklich ihren Fehler verstanden haben und wenden würden.

So fiel dennoch ein freundliches „Vaya, Cara!“ – die Welt war für beide Parteien wieder in Ordnung.

Ein schöner Tag ging seinem Ende zu.

Mit Wehmut im Herzen grüßt Euch

Euer Kadosch

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