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NABU fragt: „Ist der neue Windkraftinvestor der alte?“

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Im September war bekannt geworden, dass Planet Energy, die Tochtergesellschaft von Greenpeace Energy, überraschend die Baurechte für das geplante Windkraftprojekt in Westendorf an das Kieler Unternehmen getproject verkauft hat. Das Hamburger Unternehmen Planet Energy war wegen des umstrittenen Projektes, das unter anderem das im Wesertal brütende Seeadlerpaar unweit der Auenlandschaft Hohenrode gefährdet, zunehmend in öffentliche Kritik geraten.

Der NABU fragt sich nach eigenen Recherchen jedoch nun in einer Pressemitteilung, ob es sich bei dem vermeintlich neuen Investor nicht doch um den alten handeln könnte, wie Dr. Nick Büscher, Vorsitzender des NABU Rinteln und stellvertretender Landesvorsitzender des NABU Niedersachsen, vermutet: „Es gibt bereits realisierte Windkraftprojekte wie den 2011 in Betrieb genommenen Windpark Suderburg im Landkreis Uelzen, bei dem getproject und Planet Energy sehr eng zusammengearbeitet haben. In diesem Fall übernahm getproject den technischen Betrieb der Anlagen, die von Planet Energy auf der Homepage des Unternehmens als eigenes Projekt vermarktet werden. Auch weitere Projekte wie den Windpark in Langenbrügge, ebenfalls im Landkreis Uelzen gelegen, haben beide Unternehmen kooperativ realisiert.“

Auf diesen Flächen in Westendorf ist die Errichtung von zwei Windkraftanlagen geplant. (Archivfoto)

Für den NABU zeigt sich dabei ein Schema. So schrieben die Naturschützer in einer Pressenotiz: „Firma getproject übernimmt die unliebsame Aufgabe, die Errichtung der Windkraftanlagen notfalls auch gegen lokalen Widerstand der Genehmigungsbehörden und Bürgerinnen und Bürger juristisch durchzusetzen, während Planet Energy den Strom über die Muttergesellschaft Greenpeace Energy als Ökostrom verkauft.“ Büscher spitzt zu: „getproject macht die Drecksarbeit, während Planet Energy versucht, die Hände in Unschuld zu waschen! So hatte beispielsweise der Landkreis Uelzen die Genehmigung der Anlagen im Windpark Suderburg 2005 zunächst verweigert, weil der Verdacht im Raum stand, dass das Projekt unweit der Anlagen gesichtete Schwarzstörche gefährdet. Der Investor klagte und bekam vor dem Verwaltungsgericht Lüneburg 2007 schließlich Recht. In einer juristischen Auseinandersetzung um die Erweiterung des Windparks Suderburg im Jahr 2017 unterlag der Investor dagegen.“

Genau dieselbe Vorgehensweise erwartet der NABU nun auch im Wesertal. „Man versucht nun, die Öffentlichkeit zu täuschen und zu verhindern, dass dieses Projekt weiterhin mit dem Namen Greenpeace verbunden ist“, vermutet Büscher. Der NABU verlangt nun sowohl von getproject als auch von Planet Energy, den Menschen im Weserbergland reinen Wein einzuschenken, und fragt: „Wer soll hinterher die Anlagen vermarkten und den Strom verkaufen?“ Indes bleibt für den NABU klar, dass das Projekt, solange man nicht davon abrückt, es zu realisieren, mit dem Namen Greenpeace verbunden bleiben wird – auch auf den Protestbannern des NABU. Das schlechte Gewissen oder der bereits entstandene Imageschaden scheint laut NABU zu dem jüngsten Schritt bewogen zu haben, was jedoch nicht mehr als Augenwischerei sei, ergänzt Büscher. Die klare Forderung des NABU in Richtung Hamburg und Kiel bleibt, wie Büscher bekräftigt: „Beenden Sie dieses umstrittene Projekt so schnell wie möglich!“ (pr)

Nachgefragt bei getproject

Auf unsere Nachfrage, in welcher geschäftlichen Beziehung die Firmen getproject und Planet Energy zueinander stehen, was die Vermarktung der Anlagen und den Stromverkauf angeht, antwortet getproject-Pressesprecherin Hilke Lind, dass es keine gesellschaftsrechtliche Beziehung der beiden Firmen zueinander gebe. Auch in Sachen Windpark Suderberg haben wir nachgefragt: Der Windpark Suderburg wurde von einer Tochtergesellschaft von getproject realisiert und danach drei der fünf Windenergieanlagen an Planet Energy verkauft. Diese Anlagen würden noch heute von Planet Energy betrieben, so Lind. Über den weiteren Ablauf des Projektes in Rinteln sei noch nicht entschieden, heißt es weiter, „Windpark Rinteln“ werde „zeitnah die Beteiligten vor Ort über die Umsetzung des Projektes informieren“.

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