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Netzwerk gegen häusliche Gewalt: Anwälte, Beratungsstellen und Opferhilfe bilden Arbeitskreis

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(Rinteln/Landkreis) Damit Opfer von häuslicher Gewalt professionelle und schnelle Hilfe bekommen, gibt es ein Netzwerk aus Hilfsorganisationen und Einrichtungen im Landkreis Schaumburg. Dazu gehört die „BISS“ (Beratungs- und Interventionsstelle bei Häuslicher Gewalt). Sie wird nach Einsätzen der Polizei über diese Fälle informiert und kann proaktiv auf die Betroffenen zugehen und Unterstützung geben. Sozialpädagogin Janina Schmidt kümmert sich um die Fälle, in denen Menschen von ihren Partnern Gewalt angetan wurde. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Frauen.

Dabei hilft ihr das Gewaltschutzgesetz, dass seit 2002 die Rechte der Betroffenen gegen gewalttätige Lebenspartner stärkt und es der Polizei unter anderem ermöglicht, den Täter für bis zu 14 Tage der gemeinsamen Wohnung oder des Hauses zu verweisen. Innerhalb dieses Zeitfensters bleibt Zeit, weitere Anträge zu stellen, etwa auf ein Annäherungsverbot oder Betreten und Besuchen von etwaigen Kindertagesstätten. Ebenso gibt es die Möglichkeit auf Überlassung der gemeinsamen Wohnung auf einen bestimmten Zeitraum, bis das Opfer anderweitig eine Unterkunft gefunden hat.

Im vergangenen Jahr hat Schmidt 227 solcher Fälle bearbeitet. Die meisten davon kamen über die Polizei. In anderen Fällen haben sich Betroffene direkt hilfesuchend an sie gewandt. „Die Dunkelziffer ist höher“, weiß sie, da längst nicht alle Fälle angezeigt werden. Zwischen den Partnern kracht es nicht ununterbrochen. Täter und Opfer verleben zwischendurch auch ruhige Phasen, doch oft entwickelt sich die häusliche Gewalt in einer Form der Spirale und es kommt zum Gewaltausbruch, erklärt Schmidt. Die Gewalt muss dabei nicht immer körperlichen Ursprungs sein. Es gibt Menschen, die terrorisieren ihre Opfer psychisch oder materiell, überwachen jegliche Form der Geldausgabe und jede kleine Kontobewegung und vermitteln ihnen so ein Gefühl, nichts mehr wert zu sein.

„Ich arbeite nicht therapeutisch, sondern als Krisenintervention und versuche, die Opfer wieder handlungsfähig zu bekommen“, sagt Schmidt. Dazu existiert eine enge Zusammenarbeit im Netzwerk mit Organisationen wie dem BASTA Mädchen- und Frauenberatungszentrum in Stadthagen oder der Stiftung Opferhilfe. „Im Durchschnitt kann ich die Opfer schon nach ein bis zwei Terminen an weitere Hilfsorganisationen weiter vermitteln“, erklärt Schmidt.

Juliane Frank (Foto: pr)

Über Juliane Frank und die Opferhilfe, die in Bückeburg eins von elf niedersachsenweiten Büros betreibt, haben wir vor einiger Zeit bereits berichtet. Auch sie arbeitet eng mit der heimischen Polizei zusammen und hilft den Opfern von Straftaten auf finanzieller oder psychosozialer Basis weiter. Beispielsweise wenn die Schließanlage eines Hauses nach einem Schlüsseldiebstahl kostspielig erneuert werden muss und die finanziellen Mittel nicht reichen. Oder bei der Finanzierung einer neuen Wohnungseinrichtung, wenn Opfer häuslicher Gewalt ausziehen. „Seit 2017 gibt es einen gesetzlichen Anspruch auf psychosoziale Prozessbegleitung“, erklärt Frank. Dadurch können die Opfer eine intensivere Form der Unterstützung vor, während und nach Gerichtsprozessen erfahren. Beim Arbeitskreis Nebenklage und Prozessbegleitung gibt es Unterstützung und Rückhalt bei Dingen, die sich ums Gerichtsverfahren selbst drehen. So bekommen Opfer die Möglichkeit, den Gerichtssaal vorher zu besichtigen und sich von spezialisierten Anwälten Verfahrensablauf und Hintergründe erklären zu lassen. Mit dieser Hilfe können Ängste abgebaut werden und den Opfern Zeugenaussagen vor Gericht erleichtert werden.

Waltraud Burgbacher arbeitet seit Oktober 2018 bei der Opferhilfe Bückeburg mit. (Foto: pr)

147 Fälle hat die Opferhilfe Bückeburg in 2018 betreut. In 2017 waren es 127, in 2016 lag die Anzahl der Fälle bei 121. Den Anstieg führt Frank auch auf das gestiegene Bewusstsein in der Bevölkerung und die Öffentlichkeitsarbeit zurück. Unterstützt wird Juliane Frank seit Oktober 2018 durch Waltraud Burgbacher, die die Nachfolge von Dagmar Behrens angetreten hat. Das Opferhilfebüro Bückeburg gibt es seit 2002. Die Zahl der Hilfesuchenden stieg von 12 im Gründungsjahr kontinuierlich an. Ein Großteil der Personen ist laut der aktuellen Statistik des Büros weiblich (81%) und im Alter von 21-64 Jahren (72,1%). Am häufigsten wird die Opferhilfe bei Sexualdelikten (36,7%), Körperverletzungen (32%) und Stalking (10,2%) aufgesucht. Wie Juliane Frank in ihrem Jahresbericht 2018 anführt, ist der Anstieg an hilfesuchenden Opfern von sexualisierter Gewalt wieder stark angestiegen, von 39 Betroffenen im Jahr 2017 auf 54 Personen in 2018.

Thorsten Frühmark ist Rechtsanwalt für Familien- und Arbeitsrecht in Rinteln und seit 2018 Mitglied im Arbeitskreis.

Der Rintelner Rechtsanwalt für Familien- und Arbeitsrecht Thorsten Frühmark arbeitet eng mit dem Netzwerk der Opferhilfe zusammen. Er ist seit 2018 Mitglied im Arbeitskreis, der sich regelmäßig trifft und austauscht. Fälle von häuslicher Gewalt erfordern eine schnelle und effiziente Bearbeitung, das Vermitteln von passenden Angeboten und Kontakten für oft schwer traumatisierte Opfer. Es sind Fälle, die fassungslos machen. Wenn Frauen von ihrem Partner in der Wohnung festgehalten, mit dem Tode bedroht, geschlagen und misshandelt werden, brauchen sie über eine Anzeige bei der Polizei hinaus weitergehende Betreuung. „In Fällen wie diesen haben die Frauen panische Angst, ihrem Peiniger vor Gericht zu begegnen“, weiß Frühmark, „sie leiden über die körperlichen Schmerzen hinaus oft an schweren Depressionen und an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Da ist professionelle Hilfe enorm wichtig.“ Frühmark weiß auch von Mandantinnen, die immer wieder bei ihm in der Kanzlei sitzen und einfach nicht von ihren gewalttätigen Lebenspartnern loskommen: „Manche Frauen erleiden über Jahrzehnte regelrechte Martyrien in den Beziehungen, nehmen sich immer wieder vor, sich zu trennen und schaffen es letztendlich doch nicht.“ Einmal hat er aus der Zeitung vom tragischen Ende so eines Falls erfahren. „Sie hat es nicht mehr geschafft und sich das Leben genommen“, sagt Frühmark, „das hat mich sehr traurig gemacht“.

Kontakt zur Opferhilfe

Juliane Frank
Stiftung Opferhilfe Niedersachsen
Opferhilfebüro Bückeburg
Schulstraße 2
31675 Bückeburg

Tel: 05722/290-295
Fax: 05722/290-277

E-Mail: Juliane.Frank@justiz.niedersachsen.de
Web: www.opferhilfe.niedersachsen.de

Waltraud Burgbacher

Tel: 05722/290-264

E-Mail: waltraud.burgbacher@justiz.niedersachsen.de

Kontakt zur BISS – Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt

Janina Schmidt
Dipl. Soz.-Wiss., Fachberaterin Psychotraumatologie
ARBEITERWOHLFAHRT Kreisverband Schaumburg e. V.
BISS – Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt
Am Sonnenbrink 13
31655 Stadthagen

Tel: 05721/995121

Fax: 05721/995127

E-Mail: biss@awo-kv-schaumburg.de

Kontakt zum Frauenhaus Schaumburg

Tel. 05721 – 32 12

Kontakt zu BASTA e.V.

BASTA Mädchen- und Frauenberatungszentrum e.V.
Enzer Straße 22a
31655 Stadthagen

Beratungen nach Absprache
Tel.: 05721 91048
Fax: 05721 91075

Kontakt zum Opferanwalt

Rechtsanwälte Frühmark & Vogt
Thorsten Frühmark
Klosterstraße 29
31737 Rinteln

Tel. 05751/92 57 70
Fax. 05751/92 57 71

Web: www.fruehmark-vogt.de
E-Mail: info@fruehmark-vogt.de

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