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Planungen für ICE-Neubaustrecke: In 31 Minuten von Hannover bis Bielefeld

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(Landkreis) Das Bundesverkehrsministerium hat fünf Modell-Varianten für eine mögliche Trassenführung der Bahnstrecke Hannover-Bielefeld prüfen lassen, um Kosten und Machbarkeit abzuschätzen. Unabhängig ist ein Planungsauftrag an die DB Netz AG erteilt worden. Wichtiger Baustein des „Deutschlandtaktes“: Die Senkung der ICE-Fahrzeit zwischen Hannover und Bielefeld von derzeit 48 auf 31 Minuten.

Wie das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur weiter mitteilt, gehöre die Strecke Hannover-Bielefeld zu den Hauptachsen des Ost-West-Verkehrs. Zwischen Haste und Bückeburg sei sie in Teilbereichen für Geschwindigkeiten von 200 km/h ausgebaut. Aufgrund der engen Radien und der dichten Bebauung sei ein Ausbau in Orten wie Bückeburg, Minden und Wunstorf nicht möglich.

Fünf mögliche Trassenvarianten der ICE-Strecke Hannover-Bielefeld

Variante 1

Diese kostengünstige Variante wurde 2016 veröffentlicht und für den Bundesverkehrswegeplan 2030 entwickelt. Neue Umfahrungen von Wunstorf, Bückeburg und Minden und zusätzliche Gleise zwischen Lindhorst und Echtorf würden die Fahrgeschwindigkeit auf 230 km/h erhöhen. Ein weiterer Ausbau der Bestandsstrecke zwischen Porta Westfalica und Bielefeld würde durch eine Erhöhung der Geschwindigkeit auf 180 km/h bringen. Die gesamte Fahrzeit läge aber mit 40 Minuten über der laut Zielfahrplan Deutschlandtakt erforderlichen Zeit von 31 Minuten. Die Gesamtkosten betragen 1,9 Milliarden Euro.

Variante 2

Hier würde eine Trassierung von zwei neuen Gleisen in Bündelung mit der A2 zwischen Seelze und Brake auf rund 80 Kilometern Länge eine Fahrzeit von 31 Minuten ermöglichen. Der dicht besiedelte Raum zwischen Minden und Porta würde vermieden. Rund 31 Kilometer der Strecke würden aufgrund der bergigen Landschaft entlang der Autobahn in Tunneln verlaufen müssen. Die längsten Tunnelabschnitte wären 10,7 und 6,9 Kilometer lang. Diese Variante ist mit 5,9 Milliarden Euro am teuersten.

Variante 3

Hierbei führt der parallel zur A2 verlaufende Neubauabschnitt aus Variante 2 bereits bei Bad Oeynhausen in die viergleisige Strecke, die bis Brake ausgebaut würde. Diese Option liegt mit 5,5 Milliarden Euro unter der vorherigen Variante, verfehlt aber mit einer Fahrzeit von 34 Minuten die Vorgabe des Deutschlandtakts. Teuer ist sie trotzdem, da aufgrund des Ausbaus der Bestandsstrecke zeit- und kostenintensive Umbauten mehrerer Bahnhöfe erforderlich wären.

Variante 4

Diese Strecke würde auf den umfangreichen Ausbau des viergleisigen Abschnitts zwischen Bad Oeynhausen und Brake aus Variante 3 verzichten. Die Kosten sinken auf 4,5 Milliarden Euro, allerdings würde die Fahrzeit auf 37 Minuten ansteigen und das Ziel weiter verfehlen.

Variante 5

Diese Variante würde neben Variante 2 als einzige genannte Möglichkeit sowohl die Fahrzeit von 31 Minuten erfüllen, als auch mit 4,9 Milliarden Euro deutlich günstiger umsetzbar sein. Für die Planung müssten die zusätzlichen Gleise von Seelze kommend Wunstorf umfahren und trassennah in Bündelung mit dem ausbaufähigen Abschnitt der Bestandsstrecke zwischen Lindhorst und Echtorf geführt werden. Ein langer Tunnel würde durchs Wesergebirge führen. Dann führen die neuen Gleise nahe der A2 bis Brake, wo wieder die viergleisige Bestandsstrecke erreicht wird. Durch die zusätzliche Verknüpfung mit der bestehenden Strecke im Bereich Stadthagen sehen die Planer hier einen höheren Nutzen für den Güterverkehr, da mehr Güterzüge die neuen Gleise nutzen können. Anwohner der bisherigen Strecken würden entlastet, die Fahrzeit zwischen Hannover und Minden wäre im Fernverkehr um fünf Minuten kürzer.

Wie Projektleiter Carsten Müller, verantwortlich für das Schieneninfrastruktur-Projekt Hannover bei der Deutschen Bahn jüngst bei einem online Pressegespräch mitteilte, wird es am 14. Januar 2021 eine öffentliche Online-Auftaktveranstaltung zum Planungsdialog im digitalen Format gebe. Neben Landräten und Bürgermeistern aus der Projektregion werden auch Vertreter der Bürgerinitiativen und des Landvolks dazu befragt. Grundsätzlich wurde die in dieser Region von der Bürgerinitiative BIGTAB befürwortete Variante nach einem trassennahen Ausbau der Bestandsstrecke nicht ausgeschlossen, jedoch gebe es aufgrund der Bebauung Punkte, wo es nicht möglich sei, die bestehenden Gleise zu erweitern. Carsten Müller und Bahn-Pressesprecher Peter Mantik betonten allerdings, man sei froh, jetzt endlich mit der Kommunikation an die Öffentlichkeit gehen zu können. Müller sagte, man werde aufgrund der gestellten Fahrzeitvorgabe von 31 Minuten von Hannover bis Bielefeld einen geeigneten Korridor für die Trassenführung suchen. Bei einer kompletten Neubaustrecke sei rein theoretisch eine Baudauer von zehn Jahren machbar. Bei Ausbau von Bestandteilen liege man darüber. Auch seien die Kosten von Ausbau im Bestand größer. Möglicherweise stehe am Ende der Planungen auch eine sechste oder siebte Variante, die keine Ähnlichkeit mehr zu den genannten fünf Varianten mehr hat, die jetzt an die Öffentlichkeit gelangt sind.

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