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Sperrungsdiskussion als Druckmittel? Oder Brückentorkomplex komplett abreißen?

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Das Brandschutzgutachten mit seinem vernichtenden Fazit zum Thema Veranstaltungen im Brückentorsaal hat die abgeebbte Diskussion um den Komplex in der vergangenen Woche wieder neu angefacht. Wie bereits berichtet, hat die Stadt den Saal aufgrund der jetzt bekannt gewordenen Mängel für künftige Events gesperrt, lediglich ein Notprogramm an Veranstaltungen darf (mit erhöhter Feuerwehrpräsenz und unter verschärften Bedingungen) noch stattfinden, ehe nach der Karnevalssession im Februar 2019 endgültig Schluss ist. Wie soll es jetzt weitergehen? In der Rintelner Parteienlandschaft herrschen unterschiedliche Ansichten über die Zukunft von Rintelns beliebtem Veranstaltungsstandort.

Die Ansicht des Brückentorsaals von der Weserseite aus. Das Gerüst wurde aus Gründen der verschärften Brandschutzauflagen dort montiert.

Neuhäuser: „Druck auf die unbedarften Kommunalpolitiker aufbauen, damit dem finanziell unverantwortbaren Neubau zugestimmt wird“

Der Vorsitzende der Rintelner WGS-Fraktion, Dr. Gert-Armin Neuhäuser, hält nach wie vor daran fest, dass der Brückentorsaal nach dem seinerzeit geltenden Recht errichtet wurde und dementsprechend auch heute weiter betrieben werden darf: „Die jetzige Sperrungsdiskussion dient dazu, auf die unbedarften Kommunalpolitiker Druck aufzubauen, damit diese dem finanziell unverantwortbaren Neubau an der Burgfeldsweide zustimmen werden. Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, dass man das Gelände des Brückentorkomplexes einem Investor vorwirft, der einzig und alleine an seinem eigenen möglichst maximalen Profit orientiert ist, und dafür dann noch die Stadt auf Jahrzehnte hinaus noch weiter hoch verschuldet. Zudem braucht Rinteln eine Stadthalle und keine Vorstadthalle, sodass ich, wenn es eine Mehrheit für einen aus meiner Sicht unsinnigen Neubau geben sollte, einen solchen am bisherigen Standort favorisieren würde.“ Eine einheitliche Linie hat die WGS-Fraktion laut Neuhäuser allerdings nicht festgelegt, „es entspricht auch nicht unserem Naturell, eine solche überhaupt zu haben.“

SPD: „Kauf, Abriss und Neubau nicht zu finanzieren“

Die SPD Rinteln plädiert für eine eigene Stadthalle. Die Fraktionsvorsitzende Astrid Teigeler-Tegtmeier dazu: „Ob die Stadthalle am Brückentor ist, oder wir doch noch einen Investor finden, der das ganze Objekt übernimmt und wir dann an einem anderen Standort eine Stadthalle bauen, das können wir uns überlegen, wenn wir wissen, was möglich ist. Ein Kauf des Areals durch die Stadt Rinteln um das Brückentor abzureißen und dort eine neue Stadthalle zu errichten, ist aus Sicht der SPD nicht zu finanzieren und durch das städtische Bauamt, laut eigener Angaben, auch nicht abzuwickeln.“ An dieser Stelle sollte laut Teigeler-Tegtmeier eine Innenstadtentwicklung erfolgen, um die Innenstadt auch in Zukunft attraktiv zu erhalten: „Mit dem alleinigen Bau einer Stadthalle ist dieses Ziel allerdings nicht zu erreichen.“

CDU: „Abreißen, neu bauen und Grundstücksteil verkaufen“

Genau diesen Vorschlag, nämlich einen Abriss und Neubau, hält man in der Rintelner CDU für den besten Weg. CDU-Fraktionsvorsitzender Veit Rauch skizziert einen Vorschlag, der seinen Angaben zufolge bereits großen Zuspruch in der Bevölkerung erhalten hat: Demnach sollte die Stadt Rinteln die verbliebenen Anteile an der gesamten Immobilie von den Eigentümern, den Gebrüdern Schneidewind, kaufen, den gesamten Brückentorkomplex abreißen, im westlichen Teil des Geländes (dort, wo jetzt der alte Saal und das italienische Restaurant angesiedelt sind) eine neue Stadthalle bauen und den östlichen Teil des Grundstücks, rund 5.000 Quadratmeter, an einen Investor weiterverkaufen. Die Vorteile liegen für Rauch auf der Hand: Die Infrastruktur sei bereits vorhanden, es gebe genügend Parkplätze in der Nähe und man müsse für den Neubau keine Fläche versiegeln. Die ursprüngliche Summe von zwei Millionen Euro, die der abgesprungene Investor Norbert Dittel laut Rauch für die Ablösung an die Gebrüder Schneidewind hätte zahlen sollen, würde nach Bekanntwerden der Brandschutzmängel jetzt wohl niemand mehr bezahlen. Er hält eine Kaufsumme von 1 bis 1,5 Millionen für realistisch. Die Kosten für einen Komplettabriss hat er eigenen Angaben zufolge auf rund 500.000 Euro taxiert. „Das ist für uns die gangbarste Lösung. Vernünftige Entscheidungen gehen vor Schnelligkeit“, so Rauch, der es auch für möglich hält, dass eventuell Fördermittel aus einem Städtebauförderungsprogramm beim Neubau zum Einsatz kommen könnten. Ebenso Gelder aus Fördertöpfen des Denkmalschutzes, da das originale Brückentor unbedingt wieder mit integriert werden soll.

„Architektonischer Schandfleck am stadtbildprägenden Punkt verschwindet“

Ratsmitglied Dr. Ralf Kirstan (FDP) zeigt sich erstaunt darüber, „dass jetzt auf einmal die im Gutachten beschriebenen Brandschutzbedenken erhoben werden, obwohl es jahrzehntelang keine wesentlichen Beanstandungen gegeben hat.“ Allerdings seien die im Gutachten genannten Mängel Tatsachen: „Unter diesen Umständen vermag ich mir nicht vorzustellen, wie man diesen offensichtlich mit kapitalen Baumängeln behafteten Komplex nun einem Investor andienen will.“

Kirstan schlägt dabei in die selbe Kerbe wie CDU-Mann Rauch: „Ich halte es für das Beste, wenn die Stadt das Kompletteigentum an dem Komplex zu einem günstigen Preis erwirbt (das sollte angesichts der skizzierten Mängel ja machbar sein), um alles dann abzureißen. Der erste Vorteil dieser Lösung wäre, dass ein architektonischer Schandfleck an einem stadtbildprägenden Punkt verschwindet. Zweitens könnte man dann an derselben Stelle eine neue Stadthalle errichten – nach modernen Maßstäben, aber architektonisch und bauästhetisch besser auf die umgebende Altstadt abgestimmt.“

Veranstaltungen würden somit im Zentrum der Stadt stattfinden und nicht „irgendwo an der Peripherie (Burgfeldsweide)“, so Kirstan weiter. Von dort würde ein Fußmarsch in Abendkleidung zur Innenstadt eine gute halbe Stunde in Anspruch nehmen, erläutert Kirstan: „Eine solche innenstadtnahe Lösung für die Errichtung einer neuen Stadthalle hätte sicherlich eine belebende Wirkung auf die innerstädtischen Gastronomiebetriebe, ganz im Gegensatz zu einer Lösung ´auf der grünen Wiese´ am Stadtrand.“

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