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Studie zur Ortsumgehung Steinbergen: Keine Variante findet Zustimmung der Stadt

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Die Stadt Rinteln hat eine Studie in Auftrag gegeben, die sich mit der möglichen Streckenführung einer Ortsumgehung der B83 für Steinbergen befasst. Die Ergebnisse sind jetzt im Beisein von Vetretern der politischen Ratsfraktionen vorgestellt worden. Bürgermeister Thomas Priemer nahm das Fazit vorweg: „Keine der vorgestellten Varianten findet die Zustimmung der Stadtverwaltung.“ Man könne, so Priemer, nicht Einwohner eines Ortes entlasten um die Last auf Einwohner anderer Ortsteile zu verlagern. Dies sei nicht im Sinne der Politik.

Einigkeit auch bei den politischen Parteien, die das Ergebnis zuvor im Verwaltungsausschuss präsentiert bekamen: Die Streckenführung stößt bei Vertretern von CDU, WGS, FDP, SPD und Grünen einhellig auf Ablehnung. Das Ingenieurbüro Vössing arbeitete mehrere Möglichkeiten aus, um den Verkehr um die viel befahrene B 83 und Steinbergen herumzuleiten.  Doch was ist an den Ergebnissen der Studie so brisant, dass es den Rat geschlossen in Abwehrstellung bringt?

Zum Einen sind es massive Eingriffe in die Landschaft von Hirschkuppe und Messingberg. Naturschutzgebiete, Landschaftsschutzgebiete, Naturdenkmale, Wasserschutzgebiete und weitere wären betroffen. Ausgleichsmaßnahmen zur Kompensation wären erforderlich. Zum Anderen wären je nach Variante mehr oder weniger viele Tunnel, Brücken und Trogbauwerke nötig, die allesamt eins gemeinsam haben: Die hohen Kosten. Mit den im Verkehrswegeplan veranschlagten 9,1 Millionen Euro kommt man nämlich nicht weit, wie ein Blick auf die möglichen Streckenführungen zeigt.

Von links: Bürgermeister Thomas Priemer, Dr. Ralf Kirstan (FDP), Veit Rauch (CDU), Dietmar Vogt (Grüne), Dieter Horn (SPD), Heinrich Sasse (WGS), Andreas Wendt (Bauamt der Stadt Rinteln) mit den Ergebnissen der Machbarkeitsstudie.

In der Variante 1 (Ostumfahrung Steinbergen) führt die B83 südlich von Schloss Arensburg nach Osten, über die Arensburger Straße, durch ein Waldstück, dann auf einem Damm und eine Brücke über die Eisenbahnstrecke Rinteln-Stadthagen und durch einen Einschnitt in den Messingberg. Hier geht es mit Abstand an den Grundstücksgrenzen der Anlieger. Ein 160 Meter langer Teil der Strecke ist aus Lärmschutzgründen und zur Wahrung des Landschaftsbildes als Tunnel in offener Bauweise geplant. Es folgen 400 Meter Fahrbahn auf einer Dammböschung höher als zwei Meter, danach folgt die Straße dem Gelände und kommt ohne größere Erdbauwerke aus. Die neue B83 folgt dem bisherigen Straßenverlauf in etwa 110 Meter Abstand bis zum vorhandenen Regenrückhaltebecken auf Höhe der Marktstraße. Diese wird nach Osten verlängert und an die neue Umgehung angeschlossen. Kostenschätzung: 50 bis 60 Millionen Euro.

Variante 2 (Westumfahrung Steinbergen) beginnt unmittelbar südlich der Autobahnbrücke. Hier schwenkt die neue B83 nach Südwesten in den Hang der Hirschkuppe und dann westlich und südlich an Steinbergen vorbei in Richtung Westendorf. Aufgrund der bergigen Landschaft wären auch hier diverse Brücken-, Trogbauten und Dämme zu errichten. Ein Damm müsste bis zu 30 Meter hoch sein und hätte am Fuß eine Breite von rund 100 Meter. Zum Vergleich: Die Kirchtürme von St. Nikolai und der St. Agnes-Kirche in Steinbergen haben eine Höhe von rund 50 Metern. Kostenschätzung: 70 – 80 Millionen Euro. Wählt man statt der Dämme eine Straßenführung auf Ständern/Stelzen, ergeben sich allein für ein solches Bauwerk Kosten von 23 Millionen Euro.

Variante 3 (Südumfahrung Steinbergen) beginnt am Knotenpunkt der Konrad-Adenauer-Straße mit der jetzigen B238. Von dort geht es teils in Tunnel-/Trogbauweise entlang der Bahnlinie in Richtung Westendorf. Hier muss ein neuer Anschluss an die B83 gebaut werden. Diese Variante verspricht die geringste Verkehrsentlastung, da der Umweg aus Richtung Deckbergen auf die A2 relativ groß ist. Hier liegen die Kosten bei rund 100 – 110 Millionen Euro.

Rot: Ostumfahrung, Lila: Westumfahrung, Grün: Südumfahrung. Die blaue, bzw. magentafarbene Linie zeigt Variationen der Westumfahrung, die aber nicht weiter verfolgt wurden. (Grafik: Stadt Rinteln)

Für Dieter Horn, Ortsbürgermeister von Engern ist klar: Nach der Veröffentlichung der Pläne wird es mit Sicherheit eine dritte Bürgerinitiative, diesmal aus dem Raum Engern, geben. Der Gedanke an einen 30 Meter hohen Wall lässt den stellvertretenden SPD-Fraktionsvorsitzenden schaudern: „Damit verdeckt man ja die Sicht aufs Wesergebirge!“ Heinrich Sasse (WGS) appellierte an die vorhandenen Bürgerinitiativen, man solle angesichts verschiedener Varianten jetzt nicht einander den Krieg erklären. Man könne vorhandene Verkehrsprobleme nicht durch die Schaffung von neuen Baustellen an anderen Orten lösen. Ideal, aber illusorisch, so Sasse mit einem Augenzwinkern, wäre ein großer Tunnel ab Westendorfer Landwehr bis zur Autobahn, ähnlich dem Gotthardtunnel in der Schweiz. Dr. Ralf Kirstan (FDP) sagte, die Aufgabe solcher Planungen könne es nicht sein, nach dem Sankt-Florian-Prinzip zu verfahren und Probleme auf andere zu verschieben. Veit Rauch (CDU) war entsetzt: „Da haben wir lange gegen die Aufnahme einer Gütertrasse in den Verkehrswegeplan gekämpft und dann kommt so ein Vorschlag wie die Südumfahrung, die so ähnlich aussieht, nur als Straße. Die hier vorgestellten Möglichkeiten können keine Lösung sein, jetzt liegt es am Straßenbauamt in Hameln, sich Gedanken zu machen.“

Jede der vorgestellten Trassenvarianten birgt Konfliktpotenziale an verschiedenen Stellen. (Grafik: Stadt Rinteln)

Und die Behörde wird demnächst Post aus der Stadt Rinteln bekommen. Inhalt: Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie, zusammen mit einem klaren Signal – „das ist nicht tragbar“, ergänzte Priemer. Der Ball liegt jetzt also beim Straßenbauamt. Hoffnung legt man in die Umgehung der B238. Eine Machbarkeitsstudie ist bereits 2011 erstellt worden, sie steht ebenfalls im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans und könnte zu einem großen Teil zur Entspannung der Verkehrssituation in Steinbergen beitragen. Sasse: „Die Aufnahme in den vordringlichen Bedarf hat Hoffnungen geweckt. Doch die Studie hat gezeigt: Mit den eingeplanten Geldern ist das nicht zu realisieren.“

Doch was nun? Vorerst, so sind sich alle einig, ist der vorhandene Zustand besser, als jede der vorgestellten Lösungen. Die Quadratur des Kreises, die Lösung mit der alle zufrieden sind, wird also noch auf sich warten lassen.

 

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