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Von der Katze im Baum bis zum Gefahrguteinsatz: Ortsfeuerwehr Rinteln musste 224-Mal ausrücken

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(Rinteln) Auch in 2019 war die Ortsfeuerwehr Rinteln „stark gefragt“. Zwar befindet sich die Einsatzzahl mit 224 Alarmierungen gegenüber 2018 (246 Alarme) auf einem rückläufigen Trend, doch wenn man bedenkt, dass mehr als die Hälfte der rund 400 verschiedenen Einsätze für sämtliche Rintelner Feuerwehren auch bei der Ortsfeuerwehr Rinteln aufgelaufen waren, ist das ein großer Posten.

Ortsbrandmeister Thomas Blaue.
Gruppenführer Sven Thiele trug den Jahresbericht vor.

Auf der diesjährigen Jahreshauptversammlung ließ Ortsbrandmeister Thomas Blaue beim Vortragen des Jahresrückblicks Zugführer Sven Thiele den Vortritt. Dieser beleuchtete viele kleine und zeitaufwändige Einsätze, von der „Katze im Baum“, der Vogelrettung aus einem Fallrohr bis zum Brand im ehemaligen Kraftwerk Veltheim. Löscharbeiten waren bei letzterem aufgrund der Brandsituation nicht wirklich möglich – dafür blieb den Einsatzkräften die große Menschentraube in Erinnerung, die sich fotografierend und filmend bereits rund zwei Kilometer vor dem Kraftwerksgelände in der der Umgebung aufhielt und die Anfahrt erschwerte.

Auch zum Großbrand des Kraftwerks in Veltheim wurde die Feuerwehr Rinteln im vergangenen Jahr alarmiert.

Ebenso hielt eine Reihe von Brandstiftungen in der Nordstadt die Feuerwehr in Atem. Mehrmals brannten Waren auf dem Außenlager des Toom-Baumarktes (wir berichteten) und Mülltonnen im Bereich Ostpreußenweg. Insgesamt 123 Brandeinsätze galt es so, im vergangenen Jahr abzuarbeiten. Die 83 technischen Hilfeleistungen reichten vom umgekippten Baum und Verkehrsunfällen bis hin zur Personenrettung aus einem Hochregallager.

Unvergessen bleibt auch der Gefahrguteinsatz auf einem Autobahnparkplatz. Planenschlitzer beschädigten einen LKW-Anhänger, dabei trat Pflanzenschutzmittel aus und musste von den Einsatzkräften gesichert werden.

Ein Segelflugzeug im Getreidefeld rief die Feuerwehr ebenso auf den Plan..
..wie die Rettung eines Verletzten aus einem Hochregallager bei Stüken.

Bei einer Außenlandung eines Segelfliegers in einem Getreidefeld, so Thiele, war der Pilot eher aufgrund der Anzahl der eingetroffenen Rettungskräfte erschrocken, als über die Landung selbst. Ebenfalls rückläufig ist die Anzahl der Fehlalarme. Von insgesamt 53 fehlerhaften Alarmeierungen entfielen 45 auf Brandmeldeanlagen (BMA), davon handelte es sich wiederum in 24 Fällen um technische Defekte.

Eine Serie von Brandstiftungen beim Toom-Baumarkt sorgte für zahlreiche schlaflose Nächte.

Ortsbrandmeister Thomas Blaue erinnerte an das große Zeitpensum, dass sich an jeden einzelnen Einsatz anschließt. Zu einer einstündigen Einsatzdauer kämen noch rund zwei Stunden für Reinigung der Geräte und Ausrüstung, Wiederherstellen der Einsatzbereitschaft und Einsatzdokumentation hinzu. Zeit, in der die Ehrenamtlichen an ihren Arbeitsplätzen aber auch in den Familien fehlten. Daher ging der Dank sowohl an die Arbeitgeber fürs Freistellen der Feuerwehrleute während der Arbeitszeit, als auch an die Eheleute und Kinder, die oft in der Freizeit auf ihre Partner und Eltern verzichten müssten. Anders als bei anderen ehrenamtlich tätigen Personen in Vereinen sei ein Einsatz bei der Feuerwehr nicht planbar, so Blaue: „Wenn wir gerufen werden, müssen wir los.“ Blaue dankte auch der Stadt Rinteln dafür, dass im vergangenen Jahr sämtliche beantragten Investitionen auch getätigt wurden.

Der Rückblick auf die kulinarischen Erlebnisse der Altersabteilung durch Horst Werner ließ so manchem Gast im Ratskellersaal das Wasser im Munde zusammenlaufen.

Jahresberichte gab es auch aus der Kinderfeuerwehr, Jugendfeuerwehr und der Altersabteilung. Für die Stadt Rinteln überbrachte Bürgermeister Thomas Priemer Grußworte und Neuigkeiten. Neben 33.000 Euro für die Unterhaltung von Fahrzeugen und 26.000 Euro für Ausrüstung und Zelte im vergangenen Jahr wird die Stadtverwaltung auch in der Zukunft in die Brandschützer investieren.

Kündigte weitere Investitionen in die Feuerwehr an: Bürgermeister Thomas Priemer.

Eine Abgasabsaugung für die Fahrzeughalle im Feuerwehrhaus an der Seetorstraße, ein zweiter Fluchtweg und ein neuer Logistik-Gerätewagen stehen auf der Liste der Investitionen. Neue Unfallverhütungsvorschriften verlangen ein Umdenken von Kommunen und im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung soll am Feuerwehrhaus ein zentrales Logistikzentrum als Anbau entstehen um eine Kontaminationsverschleppung zu vermeiden und die Grundlage für sicheres Arbeiten zu schaffen.

Grußworte sprach auch der stellvertretende Ortsbürgermeister Patrick Alexander Zerbst.

Rintelns Polizeichef Jörg Stuchlik lobte die Spontanität und Kooperation mit der Feuerwehr Rinteln: „Wir wissen, die Feuerwehr steht immer hinter uns!“. Kreisbrandmeister Klaus-Peter Grote mahnte angesichts der hohen Einsatzbelastungen von Feuerwehren in Autobahnnähe, die Politik müsse sich endlich auf Bundesebene Gedanken machen. Die wöchentlichen Einsätze auf der A2, fast jedes Mal mit Verletzten und Toten, bedeuteten eine unheimliche psychische Belastung für die Ehrenamtlichen.

Kreisbrandmeister Klaus-Peter Grote erinnerte abermals an die hohe Einsatzbelastung heimischer Feuerwehren in Autobahnnähe.

Auch sei das Problem mit Gaffern nicht gelöst. Zwar seien die Strafen höher, aber noch nicht hoch genug, so Grote. Vor 15 Jahren war es unvorstellbar, an Einsatzstellen Sichtschutzwände aufstellen zu müssen. Kritik gab es auch für die zunehmende Gewalt gegenüber Einsatzkräften, gerade in Ballungsräumen und zum Jahreswechsel. Immerhin ein Lichtblick: Das neue Katastrophenschutzfahrzeug, auf das man seit 2013 (!) warte und das nun endlich an die Feuerwehr Steinbergen übergeben wurde (wir berichteten).

Sechs Beförderungen gab es in den Reihen der Feuerwehr.

Ehrungen gab es in diesem Jahr nicht, dafür folgende Beförderungen: Zoe Mühlenhoff, Tristan Kadriu und Jan-Henrik Pollmeyer zu Feuerwehrfrau, bzw. -mann. Michael Wöbse und Niklas Geisler wurden zum Oberfeuerwehrmann befördert und Tom Kubatzki zum 1. Hauptfeuerwehrmann.

Polizeichef Jörg Stuchlik wusste mit der Feuerwehr eine starke Truppe hinter sich.

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