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„Zeitliche Verzögerungen würden zu Lasten der Schüler gehen“: IGS Schulleiter nimmt Stellung zu Diskussion

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In der lebhaft geführten Diskussion um die IGS-Neubaupläne (die CDU ist dagegen, die SPD befürwortet sie – wir berichteten gestern und heute) hat sich jetzt auch der Schulleiter der Rintelner IGS, Torsten Rudolf, zu Wort gemeldet. Wir veröffentlichen seine ausführliche Stellungnahme im Original:

IGS-Schulleiter Torsten Rudolf (rechts im Bild) mit Landrat Jörg Farr bei der Vorstellung des Architektenmodells im Mai 2017 im Kreishaus Stadthagen (Archivfoto)

Stellungnahme der Hildburgschule zu den gegenwärtigen politischen Diskussionen um unseren Schulneubau

„Im Vertrauen darauf, dass die politischen Gremien und Fraktionen sachorientiert denken und entscheiden, habe ich mich als Schulleiter der Hildburgschule bisher aus den öffentlichen Diskussionen herausgehalten. In letzter Zeit verstärkt sich allerdings mein Eindruck, dass die gegenwärtige politische Auseinandersetzung um unseren Schulneubau nicht mehr sachlich und inhaltsorientiert verläuft: Es scheint nur am Rande um uns als die zweite große Schule in Rinteln zu gehen. Es scheint auch nur am Rande um die bestmögliche Schulbildung für alle jungen Menschen in Rinteln zu gehen.

Ich wünsche mir für das Wohl unsere Schülerinnen und Schüler, dass sich in den nun anstehenden Gremienentscheidungen die Beteiligten für den zügigen Neubau unserer Schule einsetzen.

Zur Verdeutlichung möchte ich hier kurz die Historie der Schulentwicklung, die ich seit dem Jahre 2004 in Rinteln begleite, darlegen:

1974 Gemeinsame Arbeit des Gymnasiums Ernestinum und der Hildburgschule, Realschule Rinteln, im Schulzentrum.

2004 Abschaffung der Orientierungsstufe und Angliederung der Schuljahrgänge 5 und 6 an die weiterführenden Schulen. Das gemeinsame Schulzentrum wurde zu klein.

2004 Umzug der Hildburgschule an den Schulstandort Klosterstraße 18. Dieser Standort war von Anfang an zu klein für die Hildburgschule, weshalb mit Unterrichtscontainern auf dem Schulhof gearbeitet wurde. Auch der Schulstandort in der Ostertorstraße 23 war für die Schule Am Ostertor, Hauptschule Rinteln, nach Angliederung der Schuljahrgänge 5 und 6 zu klein. Auch hier mussten die Schülerinnen und Schüler in Unterrichtscontainern beschult werden.

2012 Zusammenlegung der Schule Am Ostertor und der Hildburgschule zu einer Oberschule, die verteilt auf insgesamt drei Standorte arbeiten muss: im Schulgebäude Klosterstraße, im Schulgebäude Ostertorstraße und in drei angemieteten Unterrichtsräumen im Amtsgericht

2014 Gründung der Integrierten Gesamtschule Rinteln unter dem traditionsreichen Namen Hildburgschule. Der Raumbedarf einer IGS ist jedoch noch einmal um einiges höher als der Raumbedarf einer nicht differenzierenden und nicht integrierenden Schulform, so dass sich die räumliche Situation erneut drastisch verschärft hat

2017 Auslobung des hochbaulichen Realisierungswettbewerbs für einen Neubau der IGS

2017 Einstimmige Jury-Entscheidung für den Siegerentwurf des Architekturbüros Bez + Kock unter Beteiligung von Vertretern des Landkreises Schaumburg und der Stadt Rinteln

Ich möchte ebenfalls kurz darlegen, warum die Hildburgschule als Integrierte Gesamtschule aus pädagogischen Gründen dringend einen Schulneubau benötigt und zeitliche Verzögerungen massiv zu Lasten der Schülerinnen und Schüler gehen würden.

Die IGS arbeitet binnendifferenziert auf unterschiedlichen Lernniveaus innerhalb einer Lerngruppe: Im Prinzip stellen sich die Schulformen des klassischen dreigliedrigen Schulsystems in der IGS innerhalb der Klassen dar. Hinzu kommen in Zeiten der Inklusion zieldifferent beschulte Kinder mit unterschiedlichsten sonderpädagogischen Unterstützungsbedarfen. Wie an jeder Schule gibt es auch an der IGS Fachräume und Klassenräume. Bei der IGS legen wir allerdings sehr großen Wert auf eine Individualisierung des Unterrichts und somit eine individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler. Hierzu ist es erforderlich, auch räumlich zu differenzieren. Ein Schuljahrgang an der Hildburgschule verfügt also nicht nur über einen Klassenraum pro Klasse, zusätzlich gibt es einen Jahrgangsgruppenraum zur räumlichen Differenzierung. Nach Schließung der Pestalozzischule, Förderschule Rinteln, hat die Hildburgschule sich der neuen Herausforderung gestellt und quasi deren Funktion in Rinteln mit übernommen. Für die Sonderpädagogik sind neben einer konsequenten Barrierefreiheit und raumakustischer Maßnahmen auch weitere Räumlichkeiten notwendig, die zurzeit nicht existieren: Sprachlernzentrum, Kleingruppenförderung, Leseförderung, Pflegeraum etc.

Die gegenwärtigen Räumlichkeiten an unseren insgesamt drei Schulstandorten ermöglichen keine adäquate und bedürfnisgerechte Beschulung unserer vielfältigen Schülerschaft. Die Errichtung eines Schulneubaus ist daher im Sinne der Schülerinnen und Schüler dringend erforderlich. Jede weitere Verzögerung bedeutet, dass eine weitere Schülergeneration in Rinteln nicht angemessen beschult werden kann.

Vor diesem Hintergrund sind wir als Schule glücklich und dankbar, dass die politischen Entscheidungsträger in Stadt und Landkreis unseren Belangen bisher gut und professionell gerecht geworden sind.

Zurzeit wird jedoch in der politischen Diskussion in Rinteln der Eindruck vermittelt, dass das bisherige Verfahren nicht transparent gestaltet worden sei und somit nun insgesamt in Frage gestellt wird. Ich möchte diesem mit einer Aussage von Herrn Sawade, dem Leiter des Gymnasiums Ernestinum begegnen, wonach jeder, der den Sachstand kennen wollte, diesen auch kennen konnte (Schaumburger Zeitung vom 03.05.2018). Diese Aussage kann ich nur unterstützen: Das Preisgericht des ausgeschriebenen Wettbewerbs tagte am 23.05.17. Einen Tag später erschienen Bilder und Pläne für den Schulneubau in der Zeitung.

Im weiteren Vertrauen auf die professionelle Haltung aller Beteiligten würde es mich freuen, wenn in den anstehenden Gremiensitzungen sachlich und vernünftig im Sinne aller Rintelner Schülerinnen und Schüler diskutiert werden würde. Sollte es erwünscht sein, bin ich gerne bereit, persönlich in die anstehenden Sitzungen zu kommen und die Belange unserer Schule darzustellen.

Wir sind in Rinteln zu Recht stolz auf die gute schulformübergreifende Zusammenarbeit, die stets im Sinne des bestmöglichen Bildungsangebotes für die Schülerinnen und Schüler unserer Stadt erfolgt. Wir haben unterschiedliche pädagogische Konzepte, die wir selbstbewusst erfüllen. Wir stehen dabei nicht in Konkurrenz zueinander. Wir pflegen eine partnerschaftliche und schülerorientierte Zusammenarbeit.

Dasselbe erhoffe ich mir von der Politik: Das gemeinsame und fraktionsübergreifende Ziel muss es sein, eine zukunftsweisende Entscheidung für ein modernes Bildungsangebot in Rinteln zu treffen – im Sinne aller Kinder und Jugendlichen unserer Stadt.

Ich bin Mitglied der Planungsgruppe, die sich seit Monaten mit den Planungen für den Bau der neuen IGS befasst. Aus meiner Erfahrung in dieser Planungsgruppe, bestehend aus den Architekten, den Fachplanern, dem Hochbauamt und dem Schulamt des Landkreises kann ich versichern, dass hier eine hochmoderne Schule entsteht, die allen Anforderungen gerecht werden wird. Im Planungsprozess gehen alle Beteiligten sehr engagiert immer wieder wohlwollend auf die Wünsche und Anforderungen der Schule ein. So wird es z.B. auf Wunsch der Schule ein überdachtes Forum anstelle eines Innenhofes geben, welches das Schulleben sehr vereinfachen wird. Auch auf zahlreiche weitere Wünsche unsererseits wurde im Rahmen der bisherigen Planung eingegangen.

Ich kann daher versichern, dass der Schulträger und das sehr motivierte Planungsteam das Wohl aller Schülerinnen und Schüler absolut im Blick hat und auch bei den weiteren Planungen berücksichtigen wird. Dieses gilt neben dem Schulgebäude sowohl für den Schulhof, als auch für Parkplatz und Bushaltestelle. Zurzeit stehen die Außenanlagen jedoch noch nicht im Focus der Planung. Ich bin sicher, dass hier neben den Wünschen der Hildburgschule auch die Wünsche des Gymnasiums Ernestinum adäquat berücksichtigt werden und das Ernestinum zu gegebener Zeit ebenfalls intensiv in die Planungen einbezogen werden wird.

Ich appelliere daher an die politisch Verantwortlichen, dass der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan zeitnah gefasst wird und die Fortführung der Planung zum Wohl der Schülerinnen und Schüler ermöglicht wird!“

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