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„Fenster im Zustand der Zersetzung“: Kirstan (WGS) listet bauliche Mängel an Verwaltungsgebäude auf

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(Rinteln) In einem Schreiben an die Verwaltung weist WGS-Ratsmitglied Dr. Ralf Kirstan auf seiner Ansicht nach „einige erhebliche bauliche Mängel“ am städtischen Verwaltungsgebäude in der Klosterstraße 20 hin. Vor allem das Souterrain mit dem Aktenarchiv, das augenscheinlich zu den Beständen des Bauamtes gehöre, sei demnach betroffen.

Kirstan zählt die für ihn kritischen Punkte auf: „Die baulichen Mängel betreffen (..) vor allem die mehrere Meter lange Fensterfront. Diese besteht aus einfachverglasten Holzrahmenfenstern auf Bodenniveau, die teilweise schon in den Zustand der Zersetzung übergegangen sind (bröckelnder Kitt, großflächige Farbabplatzungen, partiell Faulstellen). In einer Aussparung zwischen den Scheiben befindet sich als Träger eines alten mechanischen Ventilators eine dünne Preßspanplatte, die infolge beginnender Verrottung den Halt verloren hat und heruntergerutscht ist (..).“

„Fenster im Zustand der Zersetzung“. Diese und andere Mängel führt Ratsmitglied Dr. Ralf Kirstan auf.

Durch den entstandenen, sieben Zentimeter breiten Spalt, ebenso wie durch den schadhaften Außenverschluss des Ventilators könne ungehindert feuchte, kalte Außenluft und Flugschnee ins Aktenarchiv eindringen, so Kirstan: „Im Sommer stellt dies natürlich ein Einfallstor für Schmutz, Fliegen, Motten, Käfer und Ungeziefer aller Art dar, welches das Papier befallen kann. Wäre der Archivraum beheizt, hätte man es auch mit einem „erheblichen Energieleck“ zu tun.

Ein unmittelbar neben den Fenstern befindliches Fallrohr zur Dachentwässerung sei in rund zwei Metern Höhe aus einem Übergang herausgebrochen, so dass das Regenwasser nicht mehr abgeleitet werde. Ausgedehnter Moosbewuchs zeige, dass das Wasser direkt an der Sandsteinmauer herunterlaufe. Dieses werde „offenbar schon seit Jahren erheblich durchfeuchtet“ , was zu Salpeterausblühungen im Innenbereich geführt habe.

„Aufgrund dieser Durchfeuchtung des Außenmauerwerks sowie des Zustroms feuchter und kühler Außenluft bei gleichzeitig nicht vorhandener Isolationswirkung der alten Fenster ist es sehr wahrscheinlich, dass die Luftfeuchtigkeit in dem Archivraum deutlich erhöht ist und das Archivgut in nicht unerheblichem Maße den jahreszeitlichen Schwankungen des Außenklimas ausgesetzt ist“, führt Kirstan weiter aus. Das würde seiner Meinung nach erklären, warum sich bei einigen Aktenordnern schon die Rückenetiketten abzuwölben beginnen. Auch dies sei von außen sichtbar.

Für den WGS-Ratsherrn besteht Grund zur Annahme für einen Verstoß gegen gesetzliche Bestimmungen, wonach Archivgut „auf Dauer und sicher zu verwahren, zu erhalten und vor […] Beschädigung […] zu schützen“ bzw. „mit größter Sorgfalt zu behandeln“ sei. In Anbetracht der Mängel sei davon auszugehen, dass das Aktenarchiv des Bauamtes nicht den Anforderungen an Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Sonnenschutz entspreche.

Dr. Ralf Kirstan (WGS) sieht den Datenschutz in Gefahr und die im Souterrain gelagerten Bauamts-Akten. (Foto: pr)

Den Datenschutz sieht Kirstan ebenfalls gefährdet, da die Etiketten auf den Aktenordnern gut lesbar seien. Dabei komme den Bauakten eine zentrale Bedeutung zu, gerade jetzt, wo man vor der Neuberechnung der Grundsteuer und einer Anpassung der kommunalen Hebesätze stehe: „Sie sind die Grundlage jeder Neuberechnung, da die Grundsteuer zu 90-95% anhand der Wohnfläche berechnet wird, die für jedes Objekt nur über die Bauakten lückenlos und fehlerfrei zu ermitteln ist. Nur zum geringeren Teil sind hierzu Unterlagen des Liegenschaftskatasters heranzuziehen.“

Für die kommende Ratssitzung am 25. März beantragt Kirstan daher den Beschluss, die Räume mit modernen und geeigneten Fenstern auszustatten: Mit blickdichter Verglasung, Rollos gegen Tageslichteinfluss und geeignetem Einbruchschutz. Weiterhin soll die Luftfeuchtigkeit in den Kellerräumen überprüft, das schadhafte Fallrohr repariert und das feuchte Mauerwerk saniert werden. (Fotos: pr)

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