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Kadosch am Ostermontag im Café

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Wie eigentlich sonst sonntags saß ich nun am Ostermontag im Café, um zu frühstücken und in Ruhe meine Zeitung zu lesen, wie gesagt: in Ruhe.

Mein bevorzugter Tisch ist „reserviert“ und ich muß ausweichen.

Gegen viertel nach neun kommen zwei Pärchen, so um die Mitte siebzig, fragen nach ihrer Reservierung und platzieren sich am runden Tisch. Das eine Paar ist sehr gut gekleidet und Mutti hat sich extra zu Ostern die Haare gebläut. Dem anderen Pärchen sieht man an, sie haben sich das Leben hart erarbeitet. Und nun geht es los, die Frühstückskarte wird lautstark hoch und runter diskutiert.

„Du ißt doch sonst kein Ei!“; „Ich will keine Marmelade!“; „Aber die ist doch dabei.“ „Dafür will ich lieber eine Scheibe Gurke.“ Kleine, bissige Bemerkungen zwischen den Ehepartnern fliegen hin und her; dann verschwindet von dem einen Paar der Mann und von dem anderen Paar die Frau, um jeweils am Verkaufstresen zu bestellen. Die Zurückgebliebenen haben sich nichts zu sagen.

Der Mann kommt zurück mit allem, was man so braucht, deckt vor sich und seiner Frau liebevoll den Frühstückstisch mit Messer, Löffel, Butter, Salz und Servietten; dann kommt der Kaffee hinterher.
Das Päckchen Butter wird gewissenhaft gevierteilt, geprüft und dann auf dem Teller platziert. Mit abgespreiztem kleinen Finger beginnt die Frau die hastig mit Butter und Käse beschmierte Brötchenhälfte anzuheben und hinein zu beißen, während der Mann noch die letzten Kleinigkeiten besorgt.

Beim anderen Pärchen holt die etwas gehbehinderte Frau Teil für Teil an den Tisch, legt alles ihrem Mann vor, wird dann noch einmal zurückgeschickt: “Wir brauchen noch Servietten!“ – „Und ich brauche Dein Portemonnaie!“ kommt die etwas verschüchterte Antwort.
Dieser Mann belegt seine erste Brötchenhälfte mit der Scheibe Gurke und einer Scheibe Tomate. „Wir haben ja erst gestern gut gegessen.“ Er beißt herzhaft zu.

Plötzlich fällt dem anderen Mann ein, das er nun doch noch ein gekochtes Ei essen will, es muß aber bunt sein, weil ja Ostern ist.
„Eigentlich sollte man heute, an Ostern, ein buntes Ei gratis bekommen. Wirklich schlechter Service!“ tönt es aus dem Mund der gebläuten Dame; zustimmendes Nicken am Tisch.

Das Personal, liebevoll höflich wie immer, verneint diesen Wunsch und verlangt 79 Cent für ein Zusatzei. Der Mann verzichtet.

„Ich habe kein Salz!“ sagt nun der andere Mann und will seine gehbehinderte Frau hochscheuchen.
Ich kann es nicht mehr mit ansehen und anhören, hole dem Herrn zwei Tüten Salz und mache, das ich verschwinde.

So also sieht ein gemütliches Osterfrühstück und Zeitung lesen „in Ruhe“ aus. Ich mag mir gar nicht vorstellen, welche Gespräche an diesem Tisch geführt werden, wenn die vier nicht mehr mit dem Essen beschäftigt sind.

Es grüßt
Euer Kadosch

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