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Neuhäuser: Neubau von Stadthalle ist „Finanzieller Wahnsinn“

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Der Brückentorkomplex sorgt für eine Dauerdiskussion in der Öffentlichkeit. Abriss, Neubau, Renovierung – in der jüngsten Bauausschusssitzung zu dem Thema ging es hoch her (wir berichteten). Innerhalb der WGS ist man unterschiedlicher Meinung, was die Zukunft des Gebäudes angeht. Wir wollten vom Fraktionsvorsitzenden der WGS Rinteln, Dr. Gert-Armin Neuhäuser wissen, wie er zu dem Antrag von Heinrich Sasse senior, Heinrich Sasse junior und Jens Maack (alle WGS) steht:

Rinteln-Aktuell.de: Herr Dr. Neuhäuser, verraten Sie uns, wie Sie in der kommenden Ratssitzung am 29.11. über den Antrag der WGS-Mitglieder Sasse senior, Sasse junior und Maack abstimmen werden?

Dr. Gert-Armin Neuhäuser: „Ganz sicher nicht, weil ich an dem Tag beruflich in Rheinland-Pfalz bin. Wenn ich anwesend wäre, würde ich dagegen stimmen – denn mit einem Verkauf ist denklogisch ein Neubau verbunden. Dessen Kosten sprengen die Stadtfinanzen. Und Rinteln braucht eine zentrale Stadthalle, keine Stadtrandhalle. Es wird aber noch genügend Ratssitzungen zu diesem Thema geben…“

Dr. Gert-Armin Neuhäuser: „Es wird noch genügend Ratssitzungen zu diesem Thema geben.“ (Archivfoto)

Sie haben sich in einem Zeitungsartikel sinngemäß dahingehend geäußert, ein Neubau einer Stadthalle sei „Wahnsinn“. Können Sie das näher begründen?

„Finanzieller Wahnsinn, eindeutig. Stadthallen sind Zuschussgeschäfte, die keine nennenswerten Einnahmen generieren. Bei Baukosten je nach Ausstattung zwischen acht und zwölf Millionen Euro ist das ohne massive Steuererhöhungen zu Lasten der Bürgerinnen und Bürger bei gleichzeitigen Leistungskürzungen gerade auch in den Ortsteilen nicht finanzierbar. Beides lehne ich ab.“

Wie beurteilen Sie die derzeitige Situation um den Brückentorsaal und seine bevorstehende, finale Schließung? Kann man Ihrer Ansicht nach etwas tun, um diese zu verhindern? Wenn ja, was?

„Dass Rinteln eine Stadthalle braucht und dass in einen Saal investiert werden muss ist unstreitig. Brandschutz ist zwingend und muss gemacht werden. Ich bin aber auch der Überzeugung, dass die Verwaltung das Brückentor tot rechnet, um den favorisierten Neubau attraktiver dastehen zu lassen. Es ist für mich schon sehr merkwürdig, dass die Verwaltung als Eigentümer nach 40 Jahren den Brandschutz aus dem Hut zaubert, nachdem der Rat den von ihr geplanten Verkauf abgelehnt hat. Mein Motto ist: Es gibt keine Zufälle!“

In der Presse war von 500.000 Euro zu lesen, um Sachverständigengutachten zum Brückentorsaal einzuholen. Woher stammt diese Zahl?

„Der Rat der Stadt hat auf Vorschlag von Bürgermeister Priemer Mittel in dieser Größenordnung bewilligt. Bürgermeister Priemer hat diesen Betrag als notwendig zur Ermittlung des Sanierungsbedarfs dargestellt. Die Zahl stammt von der Verwaltung.“ (Nachtrag: Dr. Gert Armin Neuhäuser hat seine Aussage korrigiert. Nicht 500.000 Euro, sondern 100.000 Euro waren für die Sachverständigengutachten vorgesehen. – Anm. d. Red.)

Wie sind die unterschiedlichen Standpunkte innerhalb der WGS-Fraktion vereinbar?

„Sehr gut. Gerade eine freie Wählervereinigung wie die WGS lebt von der Pluralität der Meinungen. Nichts ist schlimmer als der politische Einheitsbrei, bei dem blockweise teilweise gegen Überzeugungen aber aus Fraktionszwang abgestimmt wird. Die klassische Position der WGS – keine unnötigen Ausgaben, keine Abgabenerhöhungen – werde ich persönlich weiter offensiv vertreten.“

Was wäre aus Ihrer Sicht die optimale Lösung für den Brückentorkomplex? Und wie sehen Sie die Argumente, die bisher von den jeweiligen Befürwortern/Gegnern der Maßnahmen vorgebracht wurden?

„Optimaler Weise – also in dem Sinne eines Wünsch-Dir-Was – erwirbt die Stadt den ihr nicht gehörenden Teil, öffnet den Komplex in der Mitte zur Weser hin und verkauft den Woolworth-Bereich; Hotel und Restaurant werden verpachtet. Dies entspricht einem Studentenentwurf der schon einmal im Bauausschuss vorgestellt wurde.
Bei den Befürwortern eines Neubaus vermisse ich im Übrigen einen irgendwie nachvollziehbaren Finanzierungsvorschlag sowie eine Kostenobergrenze. Das ist so ein bisschen Traumtänzerei – wir wollen etwas Neues, Schönes, und der Rest wird sich schon irgendwie finden. Und wie ein Mantra wird das Wort Stadtentwicklung als Totschlagsargument für einen Neubau genutzt. Wer tatsächlich glaubt, dass angesichts des boomenden Internethandels und nur rund 12.000 Einwohnern in der Kernstadt irgendwie ein größerer Laden dort angesiedelt werden kann, der ist entweder naiv oder sagt die Unwahrheit. Für H&M und derartige Ketten ist Rinteln zu klein, und ein Nahversorger hat keine Parkplätze: Niemand karrt eingekaufte Lebensmittel in sein Auto in ein Parkhaus auf der anderen Straßenseite.“

Herr Dr. Neuhäuser, wir danken Ihnen für das Interview. (iv)

 

Der Brückentorkomplex in Rinteln. (Archivfoto)

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