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„Reiner Optimismus“: Rintelner Weihnachtspyramide wird aufgebaut

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(Rinteln) Es hat schon eine gewisse Symbolik, wenn der LKW-Motor um fünf Minuten vor 12 Uhr mittags aufbrummt und die Spitze der Rintelner Weihnachtspyramide auf den Unterbau setzt.

Als Schausteller Marlon Klaasen das obere Teil des beliebten Glühwein-Treffpunkts mittels Fernbedienung und Kran an Ort und Stelle hievt, liegt Anspannung in der Luft. Nicht, weil das Unterfangen besonders schwierig oder neu zu bewältigen wäre. Schließlich hat die Schaustellerfamilie jahrelange Erfahrung.

Vielmehr ist in diesem Jahr alles anders. Wurden Weihnachtsmärkte im vergangenen Jahr noch generell abgesagt, so macht den Beschickern und Standbetreibern in diesem Jahr die aktuelle Situation zu schaffen. „Wir betreiben hier reinen Optimismus. Uns umtreibt der Gedanke im Hinterkopf, dass die Märkte mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit abgesagt werden könnten“, umschreibt Klaasen die Situation. Aufgrund steigender Corona-Inzidenzen streichen immer mehr Städte in Deutschland die beliebten Weihnachtsmärkte. Dabei gibt es regionale Unterschiede. Im benachbarten Minden soll er starten, in München hat man den Christkindlmarkt abgesagt. „Aufgrund der zugespitzten Corona-Lage“, heißt es auf den Internetseiten der bayerischen Landeshauptstadt.

Alle Augen sind daher morgen nach Berlin gerichtet, auf die Bund-Länder-Konferenz. Zwar haben Weihnachtsmärkte in der niedersächsischen Corona-Verordnung inzwischen einen eigenen Paragraphen erhalten (§ 11b), dennoch fürchten Betreiber ein Umschwenken der Landesregierung in letzter Minute.

Der Aufbau müsse trotzdem aus Zeitgründen jetzt erfolgen, erklärt Klaasen, während seine Mitarbeiter die „Hochzeit“, also das mechanische Befestigen von Ober- und Unterteil durchführen. Es sei ein logistischer Kraftakt mit Waren und Personal an mehreren Standorten erforderlich. Anlässlich „durchlebter Sinneswandlungen aus den Reihen der Politik“ mit „herben Niederschlägen für die Branche“ hoffe er jetzt dennoch auf Vernunft. Die Schausteller geben laut Klaasen in diesen Tagen alles um den Menschen in dieser tristen Zeit ein paar schöne Stunden auf den bundesweit fast 3.000 Weihnachtsmärkten zu bereiten: „Im festen Vertrauen auf die Zusagen der Politik, es werde angesichts hoher Impfquoten nicht mehr zu flächendeckenden Verboten, gar Lockdowns kommen, bauen sie ihre Stände auf, dekorieren, bevorraten sich mit Waren, haben Personal unter Vertrag genommen, hohe Standmieten bereits überwiesen.

Läuft alles weiterhin nach Plan, öffnet der Weihnachtsmarkt am 26. November seine Türen. Derzeit noch unter „3G-Regelung“ angekündigt, rechnet man allerdings schon mit einer Einschränkung auf „2G“ für die Bewirtung. Das hieße, Bratwurst und Glühwein gibt es am Stand nur nach Genesenen- oder Geimpftennachweis. Ebenfalls nach heutigem Stand der Dinge wären Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren davon ausgenommen. Die Kontrolle der Maßnahmen wurde an die Beschicker übertragen. „Darüber sind wir nicht sehr glücklich“, gibt der Schausteller unumwunden zu. Mit Bändchen, bei Anwendung von „3G“ für Getestete mit Datumsangabe, soll die Ausgabe von Speisen und Getränken logistisch zumindest etwas erleichtert werden. Der Nachweis wäre dann nur noch an einem der Stände zu erbringen, bei den übrigen Buden reicht das Vorzeigen des Bändchens.

Am Glasbläserbrunnen werden Sitzplätze mit Abstand und „Feuerzangenbowle“-Hütte aufgebaut.

Der Rintelner Adventszauber wird auf den Kirchplatz ausgeweitet

Räumlich wird der Weihnachtsmarkt etwas entzerrt, so Klaasen. Das Häuschen mit Feuerzangenbowle und (neu) heißem Roséwein wird am Glasbläserbrunnen auf dem Kirchplatz aufgebaut. Brunnen und Kirche sollen beleuchtet werden, Sitzgelegenheiten mit Abständen werden aufgebaut. Der Brunnen wird zum „Stehtisch“ und zur Ablage für Getränke.

Der Rintelner Adventszauber ist zwischen Fr, 26. November 2021 und Mi, 22. Dezember 2021, montags bis freitags von 12 bis 19 Uhr, sowie samstags und sonntags von 11 bis 20 Uhr geöffnet.

Angesichts drohender Weihnachtsmarktverbote Verlängerung von Corona-Hilfen gefordert

Die Diskussionen um flächendeckende Absage von Weihnachtsmärkten würde aus den eigenen Reihen nicht mehr mit Unbehagen, sondern mit „nackter Angst“ verfolgt, „weil diese trotz fundierter Hygiene-Konzepte für undurchführbar oder unpassend gehalten werden“, erklärt Klaasen. Daher werde von den Schaustellern angesichts drohender, flächendeckender Verbote gefordert, finanzielle Hilfen für die von Corona maximal betroffene Branche dürften nicht zum Jahresschluss enden, sondern müssten bis zur finalen Bewältigung der Pandemie aufrecht erhalten werden. Dabei dürfen die Hilfen sich nicht mehr nur auf die Erstattung der Fixkosten beschränken, sondern müssten die in diesen Wochen getätigten Investitionen erfassen und die einkommenslose Winterphase von Januar bis April zu überstehen.

Klaasen führt abschließend aus: „Die Rücklagen der Schausteller für das Alter sind aufgebraucht, Versicherungen aufgelöst, die Konten – auch für die dargestellten Vorbereitungen – restlos leergeräumt, oft überzogen. Die dankenswerten staatlichen Hilfen müssen jetzt beherzt fortgesetzt werden, sonst droht, was bisher vermieden werden konnte: Insolvenzen in Serie!

Wer jetzt über das Verbot von Weihnachtsmärkten nachdenkt, es fordert oder darüber entscheidet, muss zeitgleich – jetzt – auch ein Konzept für die Rettung der davon betroffenen Familien vorlegen!“

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