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Außenanlagen, Verkehrsführung, Elterntaxi: IGS-Planung vorgestellt

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(Rinteln) Große Projekte werfen ihre Schatten voraus und wollen gründlich geplant sein. Das spiegelte sich auf der jüngsten Bauausschusssitzung am Mittwoch wider, als der aktuelle Planungsstand in Sachen IGS-Neubau vorgestellt wurde. Zu den rund 1.000 Gymnasiasten gesellen sich künftig etwa 900 IGS-Schüler. Das führt zu einer Verdopplung des Verkehrsaufkommens und zu weiteren Knackpunkten, die es zu lösen gilt. Eine detaillierte Analyse kostet daher auch Zeit: Zwei Stunden dauerte die Präsentation des aktuellen Sachstandsberichts von Stadtplaner Peter Flaspöhler, Landschaftsarchitektin Christine Früh und Verkehrsplaner Prof. Dietrich Fornaschon.

Die Gestaltung der Außenanlagen wird modern und in Form einer „Visitenkarte“ der Bildungseinrichtung Schule erfolgen. Der Außenraum soll für unterschiedliche Nutzungen wie Unterricht, Pause und Veranstaltungen umgestaltet, Plätze für Sport, Ruhe, Rückzug oder Kommunikation geschaffen werden. Dabei soll auf den ersten Blick ein gutes Bild vom Schulzentrum entstehen. Etwa 380 Fahrradstellplätze werden am „Entreé“, dem Eingangsbereich zum Schulhof von der Paul-Erdniß-Straße, entstehen. Ohne Überdachung, wie Kreisschulamtsleiter Ralf Mahnert auf Anfrage von Volker Posnien (SPD) erklärte. Fahrradständer würden an allen kreiseigenen Schulen nicht mehr mit Überdachung gebaut, die bestehenden Dächer seien zum Teil in einem bemitleidenswerten Zustand und Regen käme selten direkt von oben sondern meist in Verbindung mit Wind von der Seite, da hätten Überdachungen keinen großen Effekt, verdeutlichte Mahnert. Letztlich sei es aber auch ein Kostenfaktor, gab er zu. Statt in Fahrradüberdachungen könne man schließlich auch lieber in Spielgeräte investieren.

Anhand von Illustrationen wurden die künftigen Außenanlagen der IGS Rinteln gezeigt. Hier die Ansicht auf den Eingangsbereich des Schulhofs mit Fahrradständern.

Skatepark bleibt. Fitnessgeräte kommen, Handy-Ladestationen nicht

Mit dem Ernestinum auf der linken Seite und der neuen IGS rechts, wechseln sich Bereiche zur „aktiven Pause“ und ein mittig angeordnetes Plaza-Areal für Veranstaltungen und Ereignisse im Freien ab. Auf Wünsche aus der Schülerbeteiligung im November 2018 nahm das Planungsbüro Rücksicht, sofern möglich. Sportangebote wie ein Fußballfeld, Fitnessgeräte für draußen, Tischtennisanlagen und Basketballkörbe werden umgesetzt. Eine Seilbahn, W-LAN, Handyzonen mit Ladestationen nicht. Der Skatepark bleibt erhalten und befindet sich auf gleicher Höhe mit dem Ende des neuen Schulhofs.

Thema Kunstrasen noch nicht vom Tisch

Der Kunstrasenplatz, wie von der AG Sportvereine wird in der IGS-Planung wohl keine Rolle spielen, da man für einen Schulneubau plane und nicht vorrangig für Rintelner Sportvereine, erklärte Mahnert auf Nachfrage von Volker Posnien. Bei Regen oder im Winter finde Sportunterricht ohnehin in der Halle statt. Bürgermeister Thomas Priemer kündigte allerdings an, zusammen mit Landrat Jörg Farr die Möglichkeit zur Schaffung eines Kunstrasenplatzes auszuloten. Man müsse sich an einen Tisch setzen und darüber sprechen, schließlich gehe es hier nicht ums Aufhübschen der IGS-Sportanlagen sondern auch um die Vereine.

Die Pläne aus den Ausschussunterlagen zeigen die neue IGS (Mitte), die Bushaltestellen mit Wendeschleife (oben rechts) und Lehrerparkplätzen und den Elterntaxi/Schülerparkplatzbereich (oben mittig). Links daneben: Rasensportplatz, Beachvolleyballfeld und die Weitsprungbahn.

Schulhof zu klein oder größer als bisher?

Unterschiedliche Ansichten bei der Beurteilung der Gesamtfläche gab es bei Vertretern von CDU und SPD. Während Kay Steding (CDU) Bedenken äußerte, der Schulhof sei mit rund doppelt so vielen Schülern deutlich kleiner als bisher, sah Dieter Horn (SPD) einen Flächenzuwachs und einen Gewinn für alle Schüler. Bisher hielten sich die Kinder auf einer großen, grauen Fläche auf, er wäre froh gewesen, so Horn, wenn es so eine Schule zu seiner Zeit gegeben hätte. Landschaftsplanerin Christine Früh stellte klar: Kriterium sei, wie die Fläche genutzt werde. Mit den neuen Angeboten seien die Schüler „positiv gebunden“, es käme zu „weniger Konflikten“. Heißt im Umkehrschluss: Wer sich sinnvoll beschäftigt, hat weniger Zeit für Unsinn.

Doppelt so viel Verkehr am neuen Schulzentrum

Verkehrsplaner Prof. Dietrich Fornaschon machte in einer sehr ausführlichen Präsentation die Problematik bei den zu erwartenden Verkehrsströmen deutlich und unterfütterte Eindrücke, die alle Eltern mit einem Kind am Ernestinum bestätigen können, mit Zahlen: Absolute Spitzenzeiten sind morgens zwischen 7:30 und 7:45 Uhr. 57% des Verkehrs (Schüler und Lehrer) bewegt sich in Richtung Schule. Ein ähnliches Bild folgt zwischen 13:00 und 13:15 Uhr, wo 54% der Verkehrsteilnehmer den Parkplatz verlassen. Das Problem: Es herrscht ein Durcheinander, Radfahrer und Fußgänger kreuzen Bushaltestellen, Autos verlassen Parkbuchten, es kommt zu diversen brenzligen Situationen. Mit Verkehrszählungen und Videoanalysen ist die gegenwärtige Situation unter die Lupe genommen worden. Demnach fließt momentan nur ein Zehntel des Verkehrs von der Westumgehung über die Burgfeldsweide zum Schulzentrum. 90% der Verkehrsteilnehmer kommen aus Richtung der Stadt.

Jeder fünfte Schüler nutzt das „Elterntaxi“

Die Bedeutung des vielzitierten und oft gescholtenen Elterntaxis spielt in der Verkehrsplanung eine große Rolle, da es sehr häufig genutzt wird. Laut Fornaschons Berechnungen werden 20% von „Elterntaxis“ gebracht. 50% der Schüler nutzen den Bus. 20% kommen zu Fuß oder mit dem Fahrrad, 4% verfügen über ein eigenes Auto. Durch die zweite Schule werde es zu einer Verdopplung des Verkehrsvolumens kommen, daher müssten Elterntaxis und Busse voneinander getrennt werden, so Fornaschon. In verschiedenen Szenarien spielte der Verkehrsexperte Sperrungen von Zufahrten und ihre Auswirkungen auf die Verkehrslenkung durch – manche davon zeigten allerdings extreme Folgen, führten zu teils kuriosen Szenarien Rückstaubildungen von über 1,5 Kilometern Länge und dienten daher nur als Theoriebeispiel. Als wahrscheinlichste Variante erschien „Planfall D“ – optional mit Haltebuchten für Elterntaxis in der Paul-Erdniß-Straße: Busse und PKW fahren über die Westumgehung und die Burgfeldsweide auf die Parkplätze an der Nordseite des Schulgeländes. Eine Rechtsabbiegerspur trennt Elterntaxis und Busverkehr. Letztere steuern die Haltestellenanlage mit neun Stationen in „U“-Form an. Elterntaxis biegen schon vorher ab. Ihre Zahl ist laut den Prognosen beträchtlich. Von 385 Fahrzeugen, die im Rechenbeispiel das Schulzentrum ansteuern, sind allein 218 Elterntaxis. Der Rest entfällt auf Busse (21), Schüler mit eigenem Auto (37) oder Personal (109).

Paul-Erdniß-Straße voll mit Haltebuchten?

Die Burgfeldsweide würde in diesem Fall zur Sackgasse und auf Höhe der Zufahrt Graebeweg gesperrt. Wer aus Richtung Graebeweg oder über die Friedrich-Wilhelm-Ande-Straße kommt, nutzt eine der Haltebuchten, sogenannte „Drop-Off“-Zonen für Elterntaxis an der Paul-Erdniß-Straße für geordneten Ein- und Ausstieg. Einen Haken hat „Planfall D mit Haltebuchten“ allerdings noch: Bei der vom Verkehrsgutachter vorausgesagten Zahl an Elterntaxis und dem Zeitfenster von rund drei Minuten für die „Abfertigung“ benötigt man rund 15-20 Haltebuchten, allein in der Paul-Erdniß-Straße. Wo diese entstehen sollen, war für Kay Steding (CDU) nicht ersichtlich: „Dann haben wir ja die ganze Straße mit Elterntaxi-Haltebuchten zugepflastert.“ Einen Kreisverkehr an der Abzweigung von Burgfeldsweide zu Elterntaxi-Schleife hielt Björn Rinne (WGS) für sinnvoller – wie auch der Verkehrsexperte. Da dieser aber einen Durchmesser von rund 30 Metern haben müsste, würde er weit in die Sportanlagen hinein reichen.
Für die Drift sagte Fornaschon eine Steigerung von 200 auf 260 Fahrzeuge pro Stunde voraus. Eine aus seiner Sicht unproblematische Erhöhung, da bis zu 400 Fahrzeuge in der Stunde für Wohnstraßen unproblematisch seien. Wie sich allerdings die angekündigten Aufpflasterungen, Schikanen und Poller, die eine Drift-Durchfahrt nach erfolgter Sanierung so unattraktiv wie möglich gestalten sollen, auf die Berechnungen auswirken, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch niemand vorhersagen.

Breitflügelfledermaus muss berücksichtigt werden

Nach dieser „harten Nuss“ mit jeder Menge Zahlenspielen und Prognosen war die Vorstellung von Stadtplaner Peter Flaspöhler ein regelrechter Schnelldurchlauf. Der Bebauungsplan wird geändert, der Flächennutzungsplan angepasst. Durch diese Vorgehensweise kann Zeit gespart werden; rund drei Monate geht es somit schneller voran. Es gebe vier bis sechs Arten von Fledermäusen im Areal, darunter sei die Breitflügelfledermaus am stärksten vertreten. Für sie werden durchgängige Baumstrukturen geschaffen, damit sie sich auch weiterhin orientieren kann.

Das Zeitfenster ist knapp bemessen. Bis zum 7. März soll der Bebauungsplan fertig sein. Eine schalltechnische Untersuchung wird noch durchgeführt. Nach der Beratung im Ortsrat und Bauausschuss im März erfolgt eine öffentliche Auslegung von Mitte April bis Mitte Mai. Das letzte Wort hat der Rat, der kurz vor der Sommerpause am 27. Juni grünes Licht geben muss.

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