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Kadosch und das Wetter

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Der 23. März spielte in unserem Familien-Jahr immer eine sehr große Rolle. Es war nämlich der Geburtstag meiner viel zu früh verstorbenen Mutter.

Der dritte April war der Geburtstag meiner Großmutter und hatte eigentlich einen noch stärkeren Symbolcharakter, denn sie war es, die in unserer Familie das Sagen hatte.

An diese Tage erinnere ich mich immer noch ganz genau, denn es war immer die Frage, was soll angezogen werden., kam Besuch oder nicht.

Ich erinnere mich an Tage, da war es regnerisch, dann gab es Jahre, da war es noch Winter. Aber es gab auch Jahre mit über 30° Hitze, in der die gesamte Geburtstagsgesellschaft an die Elbe zum Schwimmen ging.

Einmal sogar habe ich, weil es so trocken war, meiner Mutter den Geburtstag versaut. Ich war wohl 10 oder so (es war um 1953!) und spielte mit einer Lupe herum. Schwupps stand die total ausgedörrte Wiese in Flammen, drohte auf den nahen Wald überzugreifen. Das ganze Dorf war auf den Beinen und half erfolgreich. Mir aber drohte eine ordentliche Tracht Prügel.

Aber es gab auch Geburtstage, an denen sind wir auf dem letzten Schnee den Laubhügel mit dem Schlitten heruntergesaust – natürlich in Geburtstagsklamotten. Und es setzte wieder Prügel.
Diese gesamte Bandbreite des Klimas hat sich mir durch die „üblichen“ Geburtstagsprügel irgendwie eingeprägt.

Weiterhin erinnere ich mich sehr gut an die fast ausgetrocknete Elbe; nur die Fahrrinne war noch mit Wasser gefüllt. Wir schwammen auf die andere, niedersächsische Seite, um in den Plantagen Erdbeeren zu klauen. Es war noch kein Hochsommer!

Andere Sommer waren davon geprägt, dass alle Elbwiesen, unsere Pferdeweiden, überschwemmt waren, wir daher nur hüfthohes Wasser zum Baden hatten. Selbst ganz Mutige wagten sich nicht bis an die eigentliche Elbe. Unsere Pferde waren dann oben im Garten und mussten zugefüttert werden. Die Kühe vom Gut Hasenthal, die sonst jeden Morgen die Straße hinunter auf die Elbwiesen und jeden Abend hinaufgetrieben wurden, blieben aus.

Wetterextreme sind also gar nicht so neu, wie uns alle Welt heute glauben lassen will.
Es sind die von uns heutigen Menschen auferlegten Maßstäbe an das Wetter, wenn auch zugegeben das mit der Erderwärmung ein schlimmes Ding ist. Wir vergessen, dass Mutter Erde ein Eigenleben hat und auf uns Menschen pfeift – sie beginnt sich nur, zu wehren.

Mit dieser kleinen Erzählung aus meiner Jugend platziere ich all denen einen Seitenhieb, die bei jedem Wetterzucken sofort bereits die Apokalypse kommen sehen.

Ich empfehle, in größeren Maßstäben zu denken, fragt gern auch einmal – wie es früher Sitte war – die Alten nach ihren Erfahrungen. Sie werden viel Interessantes zu erzählen haben, auch über Wetterkapriolen.

Es schwitzt mit Euch in diesen Tagen
Euer Kadosch

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