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Kadosch und der „Lange Jammer“

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Vor noch nicht sehr langer Zeit maßregelte mich eine Facebook-Userin, ich würde mit dem Namen „Langer Jammer“ in Rinteln bei ihr dermaßen viel aufwühlen, dass ich mich schämen sollte, ihn als Standort überhaupt zu erwähnen.

Sie sprach von schlechten, fast unmenschlichen Bedingungen dort, es schien, sie hatte wohl Erfahrungen.

Nun war und ist es ja überhaupt nicht mein Anliegen, über vergangene soziale Wohnbedingungen zu berichten, mir geht es lediglich um die Schnelligkeit, mit der Volkes Mund für irgendetwas eine mehr oder weniger humorvolle Bezeichnung findet. Denken wir an die „Schwangere Auster“ in Berlin, oder den „Langen Eugen“ in Bonn u .v. a. m.

Aus meiner Heimatstadt Hamburg kenne ich mindestens 3 verschiedene Gebäude mit dem Namen „Langer Jammer“. Selbst hier in der Gegend kennen wir den Begriff in und um Rinteln, auf dem Bückeberg und in Obernkirchen

Weiteres Suchen in Google ergab etliche solcher Bezeichnungen für Brücken (Berlin), Gebäude, Wege usw.

Begrifflich also ist es etwas Langes. Und Jammer entweder von der biblischen Bezeichnung Jammertal, d. h. dort scheint es jämmerlich zu sein. Aber auch als jammervoll, wenn der Weg, die Brücke oder das Gebäude einfach kein Ende nehmen will.

Hier nun das Ergebnis einiger „Langer Jammer“, entnommen aus google. Es ist ungefähr 10 Prozent derer, die so heißen in Europa: Viel Spaß beim Lesen.

Wanderweg Paschenburg-Schaumburg rund um die Pappmühle; die Höhe hier nennt sich der „Lange Jammer“.

Der „Lange Jammer“ auf dem Bückeberg mit seinen Arbeiterwohnungen wurde samt kleiner Stallgebäude, Steinmetzhütten und technischer Anlagen vom damaligen Landkreis Grafschaft 1974 gesprengt und abgetragen.

Das Haus, dass in Minden jedes Kind kennt, der „Lange Jammer“, gehört am rechten Weserufer fest zum Stadtbild. Die Arbeiterhäuser, die um 1900 gebaut wurden, sind für den heutigen Standard klein und eng. Die Bewohner wissen sie trotzdem zu schätzen

Berlins längste Fußgängerbrücke von Lichtenberg über Prenzlauer Berg nach Friedrichshain, gibt es nicht mehr. Kein beißender Geruch, keine dubiosen Schatten irgendwelcher Passanten, die am anderen Ende des dunklen, spärlich beleuchteten Ganges bei manch einem Besucher wilde Fantasien anregten. Und doch geht mit dem Abriss des „Langen Jammer“ etwas Einzigartiges verloren.
Ein weiterer Berliner „Lange Jammer“ ist der längste und eintönigste Wohnblock im Märkischen Viertel.

Dreieinhalb Kilometer lang führt die Lilienthaler Heerstraße: schnurgerade von Bremen Horn in Richtung Lilienthal. Aber jeder, der sich auskennt, kennt die Lilienthaler Heerstraße eher als den „Langen Jammer“.

Das Studentenwohnheim in Hamburg Harburg trägt den Volks-Spitznamen „Der Lange Jammer“.
Der „Lange Jammer“ in Hamburg Wandsbek, einst Wohnhaus für Arbeiter der Wohlsdorfer Kupfermühle, gilt als kulturhistorisch bedeutsames Gebäude.

Der „Lange Jammer“ in Warendorf war ein sozialer Wohnungsbau vor 150. Der „Lange Jammer“ in Gifhorn wurde um 1546 errichtet und diente den Amtsrichtern und Amtsschreibern als Wohn- und Wirtschaftsgebäude.

„De lange Jammer“ hieß spottweise vor noch nicht gar langer Zeit die Häuserreihe unter einem Dache, welche um das Ende des 18. Jahrhunderts auf dem Barkhofe erbaut und anfangs nur von sehr armen Leuten bewohnt wurde. So steht es in einem Niedersächsischen Wörterbuch von 1869.

So, nun genug der Beispiele. Jedenfalls lernen wir daraus, das es auch in Rinteln keine Schande war und ist, dort gezwungen zu sein, zu leben. Wir lernen ebenfalls, dass der Rintelner Volksmund ebenso humorvoll ist, wie anderswo. Der freundlichen Facebook-Userin sei das in ihren Stammbaum wohlwollend geschrieben.

Mit dem Wunsch, dass dennoch niemand unter solchen Umständen wohnen sollte, bleibe ich

Euer Kadosch

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