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70 und 50 statt 100: Tempolimit am Taubenberg kommt

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Bewegung am Taubenberg: Wie Ordnungsamtsleiter Ulrich Kipp auf Anfrage bestätigte, soll auf der Kreisstraße 77 von Uchtdorf bis Wennenkamp eine Beschränkung der Geschwindigkeit eingerichtet werden. Ab dem Ortsausgang in Uchtdorf soll künftig ein Tempolimit von 70 km/h herrschen, ab Beginn des kurvigen Abschnitts bis zum Ortseingang Wennenkamp gilt gar Tempo 50. Angeordnet wird diese Maßnahme von der Stadt Rinteln als untere Verkehrsbehörde, als Reaktion auf das vermehrte Unfallgeschehen.

Erst am Montag dieser Woche tagte der Ortsrat am Taubenberg. In der Einwohnerfragestunde kam das Thema Motorradfahrer wie erwartet zur Sprache und löste wieder Diskussionen aus. Bereits seit Jahren fordern Anwohner der betroffenen Ortsteile Maßnahmen um lärmende und rasende Biker, die zwar eine Minderheit der Verkehrsteilnehmer bilden aber dennoch für Ärger sorgen, in ihre Schranken zu verweisen (wir berichteten mehrfach zu dem Thema: z.B. HIER, HIER, HIER und HIER). Tenor: Es wird wieder nichts getan. Tags darauf traf sich die Verkehrskommission zur Besprechung. Die zeitliche Abfolge kurz nach dem Ortsrat war allerdings Zufall, so Kipp, der Termin finde immer turnusmäßig statt. Allerdings gilt: Die Verkehrsbesprechung ist kein politisches Gremium und beschließt auch nicht wie beispielsweise der Rat. „Entscheidungsträger ist ausschließlich die Stadt Rinteln“, stellt Kipp klar, „wir laden aber beispielsweise Vertreter von Polizei, Bauamt und der Straßenbaubehörde zur Diskussion ein.“ Die soll kontrovers geführt worden sein.

Motorradfahrer auf der K77 in Wennenkamp (Archivfoto).

Und die Stadt hat entschieden: Ein Tempolimit am Taubenberg soll her. Doch so richtig zufrieden scheinen nicht alle Beteiligten der Verkehrsbesprechung mit der Lösung zu sein. Tamara Ehrmantraut, Leiterin des Einsatz- und Streifendienstes der Polizei Rinteln gibt auf Nachfrage zu bedenken, dass Sie nicht besonders glücklich über die Pläne ist: „Da die Motorradsaison jetzt fast schon vorbei ist, wäre eine Prognose über die Wirksamkeit zum jetzigen Zeitpunkt zu früh. Ich bin zwar dafür, dass dort Maßnahmen getroffen werden müssen, aber ob die Regulierung der Geschwindigkeit auf 70 und 50 km/h den erhofften Effekt bringt, bleibt abzuwarten. In den engen Kurven ist selbst 50 zu viel, da hätte ich die Beschilderung weggelassen. Aber Effekte werden wir wohl erst im kommenden Jahr feststellen können.“ Schnell wird klar: Das Tempolimit betrifft alle, nicht nur Motorradfahrer in der Schönwettersaison am Wochenende. Auch Einheimische und Anwohner werden sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten müssen. Und Limits ohne Kontrolle sind allenfalls ein Papiertiger, also wird man sich seitens der Polizei darum kümmern müssen, die Einhaltung auch zu überwachen.

An der Bushaltestelle in Wennenkamp gilt bislang noch Tempo 100. (Archivfoto)

Skeptisch sieht auch Markus Brockmann, Leiter der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Hameln, die Aufstellung von Schildern auf der K77. Die Behörde ist vom Landkreis  zur technischen Verwaltung der Kreisstraße beauftragt worden, eine sogenannte „Auftragsverwaltung“. Dazu sagt Brockmann: „Hier handelt es sich um eine Kreisstraße, die Zuständigkeit liegt also beim Landkreis. Wir werden dort das Gespräch suchen. Wenn es eine Landesstraße wäre, würde ich versuchen, eine Änderung der Pläne herbeizuführen.“ Über die Unfälle sei im Rahmen der Verkehrskommission gesprochen worden, so Brockmann, doch seiner Ansicht nach sollte man zunächst den Erfolg der bereits unternommenen Maßnahmen abwarten. Dazu gehörten unter anderem die zusätzliche Aufstellung von Leitpfosten und Straßenschildern, die auf enge Kehren hinweisen sollen (siehe HIER). Das Unfallgeschehen selbst betreffe grundsätzlich in den allermeisten Fällen die Motorradfahrer selbst, Grundproblem sei jedoch die Lärmentwicklung. „Uns liegt am Herzen, dass die Maßnahme zielgerichtet auf die Klientel der Motorradfahrer selbst wirkt“, so Brockmann. Tempobeschränkungen, wie vorgesehen, beträfen aber alle Verkehrsteilnehmer. Zu jeder Zeit. Zwar zeigt der Behördenleiter Verständnis für die von Lärm geplagten Anwohner, doch „die Werkzeuge, die der Staat in solchen Fällen hat, sind ziemlich stumpf“. Ein Verbot für Motorräder auf der K77, wie in der Diskussion vielfach gefordert, sei praktisch nicht durchsetzbar. „Eine Kreisstraße ist per Gesetz für den Verkehr vorgesehen. Will man Verbote für bestimmte Teilnehmer wie Motorräder erlassen, muss man diese wasserdicht begründen, ansonsten klagen entsprechende Verbände garantiert dagegen. Hält die Argumentation vor Gericht nicht stand, werden diese Verbote regelrecht in der Luft zerrissen“, so Brockmann. Hinzu kommt: Wer lautstark unterwegs sein will, kann dies auch vorschriftsgemäß mit 50 oder 70 Sachen tun. Permanente Polizeipräsenz ist personell nicht umsetzbar, wie schon häufig angeführt, besonders am Wochenende. Da helfen nur Schwerpunktkontrollen wie im Mai diesen Jahres. Doch dann verlagert sich das Geschehen kurzfristig auf andere Strecken, dank bester Vernetzung macht so eine Neuigkeit in Windeseile die Runde unter den Bikern – und schon fährt kaum jemand mehr.

Das Tempolimit an der K77 ist beschlossene Sache, sofern der Landkreis nicht einschreitet. Falls nicht, stehen demnächst neue Schilder im Wald bei Wennenkamp. Falls doch, müsste die Oberste Verkehrsbehörde, das ist das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, den Fall übernehmen. Die nächsten Wochen werden es zeigen.

In den Kurven gilt künftig maximal Tempo 50 – obwohl selbst das in einigen Kehren zuviel ist.

 


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